Welche Daten kann ein Smart-TV weitergeben?
Ein Smart-TV kennt mehr als das laufende Programm. Die französische Datenschutzbehörde CNIL zählt dazu ausdrücklich, welche Sendungen du schaust, im klassischen Fernsehen wie auf Abruf, ausserdem andere vernetzte Geräte im Heimnetz, wer den Fernseher nutzt (etwa über Profile), Angaben bei der Anmeldung zu Diensten und deinen Browserverlauf.
Google nennt für Google TV unter anderem Wiedergabeaktivitäten, den ungefähren Standort, Nutzer- und Geräte-IDs, Diagnosedaten und auf Fernsehgeräten Daten zu Werbung und Marketing. Samsung nennt in seiner Datenschutzerklärung bei den Geräteinformationen seiner Bildschirmgeräte eine «Tizen-Werbekennung» und führt personalisierte Werbung als einen der Zwecke der Datenverarbeitung auf.
Das BSI, das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, ergänzt: Sprachbefehle über die Fernbedienung können zur Verarbeitung an einen Cloud-Server gehen, und HbbTV, eine Art moderner Teletext der Sender, läuft grösstenteils über das Internet.
| Einstellung | Was sie betrifft | Empfehlung |
|---|---|---|
| Werbe-ID | Kennung, mit der Apps personalisierte Werbung ausspielen können | Löschen, wo es angeboten wird; sonst zurücksetzen |
| Personalisierte Werbung, Nutzungsdaten | Auswertung deiner Nutzung für Werbung und Empfehlungen | Abschalten, was du nicht ausdrücklich willst |
| Standort | Ungefährer Standort des Geräts | Abschalten, wenn kein Dienst ihn braucht |
| Sprachsteuerung, Mikrofon | Sprachbefehle, die in der Cloud verarbeitet werden können | Deaktivieren, wenn du sie nicht nutzt |
| HbbTV | Zusatzangebote der Sender über das Internet | Nicht genutzte Dienste deaktivieren |
| Software-Update | Sicherheitskorrekturen des Herstellers | Automatisches Update einschalten |
Ein Beispiel aus dem Alltag
Fiktives Beispiel: Leonie aus Graz übernimmt den Fernseher ihres Bruders, der nach Zürich gezogen ist. Beim ersten Einschalten sieht sie auf dem Startbildschirm Empfehlungen zu Serien, die sie nie geschaut hat, und in einer Streaming-App ist noch das Profil ihres Bruders angemeldet.
Statt nur die App zu wechseln, nimmt sie sich eine halbe Stunde Zeit. Ihr Bruder entfernt den Fernseher aus seinem Streaming-Konto. Leonie setzt das Gerät auf Werkseinstellungen zurück, richtet es mit ihrem eigenen Konto neu ein und lehnt dabei alles ab, was sie nicht versteht. Danach löscht sie die Werbe-ID, schaltet das automatische Update ein und deaktiviert die Sprachsteuerung, weil sie ohnehin die Tasten benutzt. Zum Schluss notiert sie sich, die Einstellungen nach dem nächsten grossen Update noch einmal anzusehen.
Werbung, Standort, Datenweitergabe: wo stelle ich das ein?
Jeder Hersteller ordnet die Punkte anders. Google TV läuft auf Fernsehern mehrerer Marken und auf Streaming-Geräten; die offizielle Hilfe beschreibt den Weg genau. Die Bezeichnungen stammen aus der deutschen Google-TV-Hilfe.
Google TV: Werbe-ID löschen
- Rufe auf dem Google-TV-Gerät den Startbildschirm auf.
- Wähle oben Einstellungen.
- Wähle Datenschutz › Anzeigen › Werbe-ID löschen.
- Um den Fokus auf «Werbe-ID löschen» zu verschieben, drücke zweimal das Steuerkreuz.
- Drücke die Auswahltaste.
- Möchtest du statt des Löschens eine neue Werbe-ID erhalten, wähle Datenschutz › Anzeigen › Werbe-ID zurücksetzen.
Menüpfad laut Herstellerhilfe, je nach Gerät und Version sind Abweichungen möglich: support.google.com
Google TV: Standortzugriff abschalten
- Öffne Einstellungen › Datenschutz › Standort.
- Deaktiviere dort den Standortzugriff.
Menüpfad laut Herstellerhilfe, je nach Gerät und Version sind Abweichungen möglich: support.google.com
Löschen ist bei der Werbe-ID gründlicher, denn Zurücksetzen gibt dir nur eine neue Kennung. Beim Standort weist Google darauf hin, dass sich deine ungefähre Position auch ohne Standortzugriff über die IP-Adresse ermitteln lässt. Bei anderen Betriebssystemen suchst du in den Einstellungen nach Abschnitten wie «Datenschutz», «Bedingungen» oder «Allgemein» und gehst jede Zustimmung zu Werbung, Nutzungsdaten und Empfehlungen einzeln durch. Die Bezeichnungen hängen von Modell und Softwarestand ab.
Tipp: Hast du beim Einrichten vorschnell allem zugestimmt, ist das kein Problem: Samsung schreibt in seiner Datenschutzerklärung, dass du eine Einwilligung jederzeit widerrufen kannst. Sieh dafür in den Datenschutz-Einstellungen des Fernsehers nach.
Wie bekommt der Fernseher zuverlässig Updates?
Das BSI empfiehlt, Sicherheitsupdates zügig zu installieren, weil sie oft Sicherheitslücken schliessen, und automatische Updates zu nutzen, wenn du sie sonst nicht von Hand einspielst. Bei Samsung heisst der Schalter «Automatisches Update»; die Updates laufen dann, sobald der Fernseher ausgeschaltet wird.
Samsung Smart TV: automatisches Update
- Öffne Menü › Unterstützung › Software-Update. Hat deine Fernbedienung keine Menü-Taste, wähle über den Smart-Hub-Knopf Einstellungen › Alle Einstellungen › Unterstützung › Software-Update.
- Stelle sicher, dass «Automatisches Update» aktiviert ist.
- Spielst du ein Update per USB-Stick ein, schalte den Fernseher währenddessen nicht aus und trenne ihn nicht vom Strom.
Menüpfad laut Herstellerhilfe, je nach Gerät und Version sind Abweichungen möglich: samsung.com
Die Menüs können laut Samsung je nach Modell und Softwareversion abweichen. Bekommt dein Gerät keine Updates mehr, rät das BSI zu überlegen, ob du es vom Internet und vom Heimnetz trennst oder anfällige Apps deinstallierst. Vor einem Neukauf lohnt sich laut BSI die Frage, ob der Hersteller das Gerät über die übliche Nutzungsdauer mit Sicherheitsupdates versorgt.
HbbTV, Mikrofon und Kamera: was kann weg?
Der Grundsatz des BSI ist einfach: Dienste, Funktionen und Apps, die du nicht brauchst, deaktivierst oder löschst du. Sie können Schwachstellen enthalten, auch wenn du sie nie öffnest. Geh deshalb diese Punkte durch:
- HbbTV: Nutzt du die Zusatzangebote der Sender nicht, deaktiviere HbbTV in den Einstellungen deines Fernsehers.
- Sprachsteuerung und Mikrofon: Schalte sie ab, wenn du die Fernbedienung ohnehin mit Tasten bedienst.
- Kamera: Eine eingebaute oder angeschlossene Webcam deaktivierst oder entfernst du, solange du keine Videoanrufe führst.
- Fernzugriff: Funktionen, mit denen andere Geräte den Fernseher steuern, schaltest du nur ein, wenn du sie nutzt.
Zugangsschutz wie eine PIN bleibt dagegen eingeschaltet; das BSI rät ausdrücklich, Sicherheitsfunktionen aktiv zu lassen. Den Netzzugang des Fernsehers steuerst du wie bei einem Computer über den Router. Was du dort prüfst, steht in WLAN zu Hause prüfen.
Apps und Streaming-Konten: wie räume ich auf?
Je mehr Apps installiert sind, desto mehr mögliche Schwachstellen hat das Gerät. Das BSI rät, Apps nur aus einer vertrauenswürdigen Quelle zu laden, vor der Installation die verlangten Berechtigungen anzusehen und nur zu behalten, was du wirklich brauchst.
- Lösche Apps, die du seit Monaten nicht geöffnet hast.
- Sieh in jedem Streaming-Dienst, den du nutzt, in den Kontoeinstellungen nach, ob er eine Geräteliste oder eine Abmeldung auf allen Geräten anbietet. Entferne alte Fernseher, Hotelzimmer und verschenkte Geräte.
- Lege für Mitbewohner oder Kinder eigene Profile an, statt dein Profil zu teilen.
- Gib im Browser des Fernsehers keine wichtigen Passwörter ein. Das BSI rät davon ab, weil Smart-TVs oft keinen aktuellen Browser haben.
Wie du eine Liste angemeldeter Geräte liest, erklärt Welche Geräte sind angemeldet?. Steigt bei einem Dienst gleichzeitig der Preis, hilft dir Streaming-Abo wird teurer bei der Entscheidung.
Welche Rechte habe ich, und wer ist zuständig?
In Deutschland und Österreich gilt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Du kannst bei einem Hersteller oder Streaming-Dienst kostenlos Auskunft verlangen, welche Daten er über dich speichert, wofür und an wen er sie weitergibt. Laut Verbraucherzentrale muss der Anbieter innerhalb eines Monats antworten. Nutzt ein Unternehmen deine Daten für Werbung, kannst du dem formlos widersprechen. Den Kontakt findest du in der Datenschutzerklärung des Anbieters.
| Land | Zuständige Stelle | Besonderheit |
|---|---|---|
| DE | Datenschutzbehörde des Bundeslandes | Privatunternehmen werden laut BfDI meist von den Landesbehörden beaufsichtigt; der Kontaktfinder des BfDI hilft bei der Suche |
| AT | Österreichische Datenschutzbehörde | Nimmt Beschwerden von betroffenen Personen entgegen |
| CH | Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter (EDÖB) | Die DSGVO gilt nicht automatisch; massgebend ist das revidierte Datenschutzgesetz (DSG), in Kraft seit 1. September 2023, mit dem Recht auf Auskunft über die Bearbeitung deiner Daten |
Diese Übersicht ersetzt keine Rechtsberatung. Geht es um einen konkreten Streitfall, lass dich individuell beraten, zum Beispiel bei einer Verbraucherzentrale.
Fernseher verkaufen oder entsorgen: was muss vorher weg?
Bevor ein Fernseher den Haushalt verlässt, sollten laut BSI alle privaten Daten vom Gerät entfernt werden. Das BSI weist darauf hin, dass ein Zurücksetzen auf Werkseinstellungen nicht unbedingt alle Daten löscht. Prüfe danach also, ob noch Konten, Apps oder WLAN-Daten zu sehen sind, und lösche sie wenn möglich von Hand. Geht das nicht, frag beim Hersteller nach.
- Entferne den Fernseher aus allen Streaming-Konten, am besten über die Geräteliste im Konto selbst.
- Melde dich am Fernseher vom Herstellerkonto und vom Google-Konto ab.
- Setze das Gerät auf Werkseinstellungen zurück.
- Schalte es danach noch einmal ein und kontrolliere, ob noch persönliche Daten sichtbar sind.
Dieselbe Reihenfolge kennst du vielleicht vom Handy: Altes Handy weitergeben beschreibt sie Schritt für Schritt.
Häufige Fehler
- Die Werbe-ID nur zurücksetzen und glauben, damit sei die Werbung weg. Werbung bleibt; du steuerst nur, ob sie auf dich zugeschnitten wird.
- Die Einstellungen einmal beim Kauf ansehen und nie wieder. Das BSI rät, Datenschutzeinstellungen regelmässig zu prüfen. Ein guter Anlass ist ein grosses Update.
- Updates von Hand einspielen wollen und es dann vergessen. Das automatische Update erledigt das, bei Samsung zum Beispiel beim Ausschalten des Fernsehers.
- Im Browser des Fernsehers Passwörter für Bank oder E-Mail eingeben, obwohl dieser Browser oft nicht aktuell ist.
- Den Fernseher nach einem Reset weitergeben, ohne zu prüfen, ob die Konten wirklich entfernt sind.
Deine Checkliste
Die Häkchen dienen nur deiner Übersicht. Hier werden keine Eingaben an uns gesendet. Zum Aufbewahren kannst du die Seite über das Browsermenü drucken oder als PDF speichern.
Häufige Fragen
Kann ich Werbung auf dem Smart-TV ganz abschalten?
Meist nicht. Die Google-TV-Hilfe sagt ausdrücklich, dass sich Werbung nicht deaktivieren lässt. Du kannst aber die Werbe-ID löschen und damit verhindern, dass Apps sie für personalisierte Werbung nutzen. Bei anderen Herstellern findest du die entsprechenden Schalter in den Datenschutz-Einstellungen. Werbung erscheint trotzdem weiter, und laut Google kann sie sich auch danach auf andere Angaben stützen, etwa auf Informationen, die du mit Apps geteilt hast.
Hört mein Fernseher über die Fernbedienung mit?
Eine Fernbedienung mit Sprachsteuerung kann Sprachbefehle aufzeichnen; laut BSI werden sie unter Umständen zur Verarbeitung an einen Cloud-Server geschickt. Nutzt du die Sprachsteuerung nicht, deaktiviere sie in den Einstellungen. Hat dein Fernseher eine eingebaute Kamera, schalte auch sie ab, solange du keine Videoanrufe führst. Zugangsschutz wie eine PIN lässt du dagegen eingeschaltet.
Mein Fernseher bekommt keine Updates mehr. Was nun?
Sicherheitsupdates schliessen laut BSI oft Sicherheitslücken; ohne sie bleiben solche Lücken offen. Das BSI rät dann zu überlegen, ob du den Fernseher vom Internet und vom Heimnetz trennst oder anfällige Apps deinstallierst. Für Streaming kannst du ein separates Gerät anschliessen, das noch Updates erhält. Achte beim nächsten Kauf darauf, wie lange der Hersteller Updates zusagt.
Gilt das alles auch in der Schweiz?
Die Einstellungen am Fernseher funktionieren überall gleich. Rechtlich gilt in der Schweiz aber nicht automatisch die DSGVO, sondern das revidierte Datenschutzgesetz (DSG), in Kraft seit 1. September 2023. Laut EDÖB kannst du auch dort Auskunft über die Bearbeitung deiner Personendaten verlangen, und Unternehmen müssen dich informieren, wenn sie Daten über dich beschaffen. Die Aufsicht liegt beim EDÖB.
Quellen und weiterführende Informationen
Primärquellen von Behörden, Verbraucherschutz und Anbietern. Eine Quelle kann in einer anderen Sprache vorliegen; massgeblich sind die Hinweise für deinen Dienst und deinen Wohnort.
- BSI: Smart-TV – So nutzen Sie Apps, Streaming & Co. sicherQuellenstand:
- Samsung Deutschland: DatenschutzerklärungQuellenstand:
- Verbraucherzentrale: Datenauskunft – so erfahren Sie, was Unternehmen über Sie wissenQuellenstand:
- BfDI (Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit): Startseite mit KontaktfinderQuellenstand:
- EDÖB: BasiswissenQuellenstand:
- CNIL (Frankreich): Téléviseurs connectés – les conseils de la CNIL (26. November 2019, auf Französisch)Quellenstand:
- Österreichische Datenschutzbehörde: BeschwerdeQuellenstand:
- Bundesamt für Justiz (Schweiz): Neues DatenschutzrechtQuellenstand:



