Smart Home und vernetzte Geräte

Günstige Smart-Geräte: Updates und Herstellerangaben prüfen

Eine WLAN-Kamera für 20 Euro oder ein Viererpack smarter Steckdosen ist verlockend. Ob ein günstiges Gerät taugt, zeigt sich aber an Herstellerangaben, Sicherheitsupdates und Warnmeldungen, nicht am Preis. Hier erfährst du, was in der EU seit August 2025 gilt, was 2027 dazukommt und wie du ein Angebot prüfst.

eu. infopoint · Mit KI-Unterstützung erstellt · Quellen geprüft am

Mehrere kleine smarte Geräte ohne Verpackungsaufdruck liegen auf einem Wühltisch, eine Hand dreht eines um und sucht nach Herstellerangaben.
KI-generiertes Bild; kein realer Vorfall und keine echte Benutzeroberfläche.
Für wen
Alle, die günstige vernetzte Geräte online oder im Laden kaufen
Zeitbedarf
15 Minuten vor dem Kauf
Schwierigkeit
leicht
Du brauchst
Produktangebot, Modellbezeichnung, Browser
Gilt für
DE, AT (EU-Recht), CH (eigenes Recht)

Das Wichtigste zuerst

  • Kauf nur, wenn du den Hersteller mit Postanschrift, ein CE-Zeichen und eine Aussage zu Sicherheitsupdates findest.
  • Such das Modell in Safety Gate, dem Warnsystem der EU, in der Schweiz zusätzlich in der BAKOM-Liste nicht konformer Geräte.
  • Ändere nach dem Einrichten das voreingestellte Passwort und installiere Updates.

Welche Regeln gelten heute für vernetzte Geräte?

Seit dem 1. August 2025 gelten in der EU zusätzliche Cybersicherheitsanforderungen für Funkanlagen, die selbst über das Internet kommunizieren können, direkt oder über ein anderes Gerät. Grundlage ist die Delegierte Verordnung (EU) 2022/30. Solche Geräte dürfen dem Netz nicht schaden und müssen personenbezogene Daten und die Privatsphäre schützen. Der Datenschutzteil gilt auch für Babyphones, funkfähiges Spielzeug und am Körper getragene Geräte, wenn sie personenbezogene Daten, Verkehrs- oder Standortdaten verarbeiten können.

Die EU-Verordnung über Cyberresilienz (Cyber Resilience Act, Verordnung (EU) 2024/2847) geht weiter, ihre Hauptpflichten gelten aber erst ab dem 11. Dezember 2027. Bis dahin schreibt sie nicht vor, dass beim Kauf das Ende der Sicherheitsupdates genannt wird. Du fragst also am besten selbst nach.

Zeitleiste: EU-Regeln für vernetzte Geräte (Stand: 18. Oktober 2026)
DatumWas giltWas du davon merkst
10. Dezember 2024Cyber Resilience Act tritt in KraftNoch keine neuen Pflichten im Handel
1. August 2025Cybersicherheitsanforderungen für FunkanlagenSchutz von Netz, Daten und Privatsphäre
11. September 2026Hersteller melden aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwere VorfälleNicht direkt: Hersteller müssen innerhalb von 24 Stunden eine Frühwarnung abgeben
11. Dezember 2027Cyber Resilience Act voll anwendbarEnddatum der Sicherheitsunterstützung beim Kauf

Welche Herstellerangaben solltest du finden?

Die Bundesnetzagentur rät bei Schnäppchen zur Vorsicht, weil es sich oft um minderwertige Ware handelt. Bei Stichproben prüft sie unter anderem, ob das CE-Kennzeichen korrekt ist, ob die Herstellerangaben stimmen und ob eine deutsche Anleitung mit Warnhinweisen beiliegt. Diese Punkte kannst du vor dem Kauf selbst ansehen.

Prüfpunkte im Angebot eines vernetzten Geräts
PrüfpunktWo du ihn findestWarnsignal
HerstellerProduktseite, VerpackungNur ein Markenname, keine Postanschrift
Ansprechpartner in der EUHändler- und VersandangabenVersand aus einem Drittstaat, niemand in der EU erreichbar
CE-ZeichenGerät, VerpackungFehlt bei einem Gerät mit WLAN oder Bluetooth
SicherheitsupdatesDatenblatt, Anfrage beim HändlerKeine Antwort zur Updatedauer
App und DatenschutzApp-Store, DatenschutzerklärungKonto ist Pflicht, Datenschutzerklärung fehlt

Mit dem CE-Zeichen erklärt der Hersteller laut EU-Portal «Ihr Europa», dass sein Produkt die geltenden Sicherheitsanforderungen erfüllt. Fehlt es bei einem Produkt, das es tragen müsste, kann das auf ein Problem hindeuten. Was ein Online-Angebot ausserdem zeigen muss, erklärt Billigplattformen: Zoll, Rückgabe und Produktsicherheit prüfen.

Wie lange bekommt das Gerät Sicherheitsupdates?

Ab dem 11. Dezember 2027 muss der Hersteller das Enddatum seines Unterstützungszeitraums beim Kauf klar angeben. Dieser Zeitraum soll mindestens fünf Jahre dauern, ausser das Produkt ist für eine kürzere Nutzung gedacht. Sicherheitsupdates sollen bei Verbraucherprodukten grundsätzlich automatisch kommen.

In Deutschland müssen Händler schon für Käufe seit dem 1. Januar 2022 dafür sorgen, dass du notwendige Updates erhältst. Fehlen sie, gilt das Gerät laut Verbraucherzentrale als mangelhaft. Angebotene Updates musst du allerdings selbst installieren, damit dir diese Rechte zustehen. Mehr dazu in Gerät defekt: Gewährleistung und Garantie richtig unterscheiden.

Orientierung bietet das freiwillige IT-Sicherheitskennzeichen des BSI, unter anderem für smarte Kameras und Lautsprecher. Ein QR-Code auf dem Etikett führt zu einer BSI-Seite, auf der du siehst, ob dem BSI Schwachstellen bekannt sind oder der Hersteller Updates bereitgestellt hat.

Tipp: Frag den Händler schriftlich: «Bis wann liefert der Hersteller Sicherheitsupdates für dieses Modell?» Die Antwort ist später ein Beleg.

Wo findest du Warnmeldungen, und wo meldest du ein Gerät?

In Safety Gate, dem Schnellwarnsystem der EU, findest du Warnungen und Rückrufe der Behörden und kannst defekte, in der EU gekaufte Produkte melden. Kein Treffer ist aber kein Unbedenklichkeitsnachweis: Auch das BAKOM betont, dass ein Gerät, das nicht auf seiner Liste steht, nicht automatisch konform ist.

Länderbox: Warnungen prüfen und Geräte melden
LandStelleWas du dort tun kannst
DeutschlandBundesnetzagenturFragen an die Marktüberwachung mit Angaben zu Produkt und Kaufort; unsichere Produkte über die EU-Datenbank ICSMS melden
ÖsterreichSozialministerium, AGESWichtige Rückrufe auf ages.at und in der AGES-App
SchweizBAKOMListe nicht konformer Geräte einsehen; gelistete Geräte nicht verwenden, verkaufen oder einführen
Alle EU-LänderEU-KommissionSafety Gate: Warnungen suchen, defekte Produkte melden

Was tust du nach dem Kauf?

  • Ersetze das voreingestellte Passwort von Gerät und App durch ein eigenes, langes.
  • Schalte automatische Updates ein und installiere angebotene Updates zeitnah.
  • Deaktiviere Funktionen, die du nicht brauchst, etwa den Fernzugriff.
  • Nutze nur ein gut geschütztes WLAN, siehe WLAN zu Hause prüfen: fünf Fragen an deinen Router.
  • Bewahre Rechnung, einen Screenshot des Angebots und die Antwort zur Updatedauer auf.

Ein Beispiel: Selin vergleicht zwei Innenkameras

Fiktives Beispiel: Selin aus Dortmund möchte ihre Katze sehen, wenn sie verreist. Sie vergleicht zwei Innenkameras für 17 und 45 Euro. Beim günstigen Angebot steht nur ein Markenname ohne Anschrift, und der Versand kommt von ausserhalb der EU. In Safety Gate findet sie zu keinem der Modelle etwas, was für sich allein nichts beweist.

Selin fragt beide Händler, bis wann es Sicherheitsupdates gibt. Für die teurere Kamera nennt der Hersteller ein Datum und eine Anschrift in der EU, der andere Händler antwortet nicht. Sie kauft die Kamera mit den nachvollziehbaren Angaben, ändert beim Einrichten das Passwort und spricht die Kamera mit ihrem Mitbewohner ab, wie in Kamera oder Video-Türklingel am Haus: was du filmen darfst beschrieben.

Häufige Fehler

  • Keinen Treffer in Safety Gate als Sicherheitsnachweis lesen.
  • Das CE-Zeichen für ein Prüfsiegel einer Behörde halten, obwohl es eine Erklärung des Herstellers ist.
  • Nur Preis und Sterne vergleichen und Versandort sowie Ansprechpartner in der EU übersehen.
  • Das Standardpasswort behalten und Updates liegen lassen.
  • Datenschutzerklärung und App-Konto erst nach dem Kauf ansehen.

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Häufige Fragen

Ist ein CE-Zeichen ein Beweis, dass das Gerät sicher ist?

Nein. Mit dem CE-Zeichen erklärt der Hersteller, dass sein Produkt die geltenden Anforderungen erfüllt. Bei vernetzten Funkgeräten gehört seit August 2025 auch der Schutz von Netz, Daten und Privatsphäre dazu. Behörden wie die Bundesnetzagentur prüfen nur stichprobenartig. Ein fehlendes oder verdächtiges CE-Zeichen kannst du den Behörden deines Landes melden.

Wie lange muss ein smartes Gerät Updates bekommen?

Ab dem 11. Dezember 2027 muss der Hersteller beim Kauf das Enddatum seines Unterstützungszeitraums nennen, in der Regel mindestens fünf Jahre. In Deutschland müssen Händler schon für Käufe seit dem 1. Januar 2022 notwendige Updates sicherstellen; eine feste Dauer nennt die Verbraucherzentrale dafür nicht. Frag deshalb vor dem Kauf nach einem Datum und bewahre die Antwort auf.

Gilt das alles auch in der Schweiz?

Nicht automatisch. Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, massgeblich sind die Schweizer Vorschriften. Fernmeldeanlagen und elektrische Geräte, die sie nicht erfüllen, dürfen weder in Verkehr gebracht noch verwendet werden. Das BAKOM führt dazu eine nicht abschliessende Liste nicht konformer Geräte; Verstösse können gebüsst werden. Die Prüfpunkte dieses Ratgebers helfen dir trotzdem beim Vergleich.

Quellen und weiterführende Informationen

Primärquellen von Behörden, Verbraucherschutz und Anbietern. Eine Quelle kann in einer anderen Sprache vorliegen; massgeblich sind die Hinweise für deinen Dienst und deinen Wohnort.

  1. EUR-Lex: Delegierte Verordnung (EU) 2022/30 zu Funkanlagen (konsolidierte Fassung)Quellenstand:
  2. EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024/2847 über CyberresilienzQuellenstand:
  3. EU-Kommission: Cyber Resilience Act, Zusammenfassung (Englisch)Quellenstand:
  4. Ihr Europa: Produktsicherheit, CE-Kennzeichnung und Safety GateQuellenstand:
  5. Bundesnetzagentur: Marktüberwachung und KauftippsQuellenstand:
  6. BSI: IT-Sicherheitskennzeichen für Verbraucherinnen und VerbraucherQuellenstand:
  7. Verbraucherzentrale: Software-Gewährleistung und fehlende UpdatesQuellenstand:
  8. Sozialministerium Österreich: Gefährliche Produkte und RückrufeQuellenstand:
  9. BAKOM: Nicht-konforme GeräteQuellenstand:
  10. EU-Kommission: Safety Gate, Schnellwarnsystem für gefährliche Non-Food-ProdukteQuellenstand: