Was ändert sich am 20. November 2026?
Die EU hat ihre Regeln für Verbraucherkredite neu gefasst. Die Richtlinie (EU) 2023/2225 vom 18. Oktober 2023 ersetzt die bisherige Richtlinie 2008/48/EG und gilt ab dem 20. November 2026. Als Richtlinie wirkt sie über die Gesetze der einzelnen EU-Staaten. Für Deutschland nennt die Verbraucherzentrale Hamburg dasselbe Datum für das Inkrafttreten der neuen Regeln.
Die wichtigste Änderung für Onlinekäufe: «Buy now, pay later», also Später-Zahlen über einen Zahlungsdienst, fällt ausdrücklich unter die Kreditregeln. Erfasst sind jetzt auch kleine Beträge unter der bisherigen Schwelle von 200 Euro. Nach oben reicht der Anwendungsbereich bis 100 000 Euro.
Für Kreditverträge, die am 20. November 2026 bereits bestehen, gilt die neue Richtlinie grundsätzlich nicht. Ausnahmen betreffen einzelne Regeln für unbefristete Kreditverträge. Die neuen Pflichten greifen also vor allem bei Käufen ab diesem Datum.
Tipp: Eine Bestellung mit Ratenzahlung vom 19. November läuft in der Regel noch nach den bisherigen Bedingungen, auch wenn die letzte Rate erst im Frühling fällig ist.
Rechnung, Später-Zahlen, Raten: was ist was?
An der Kasse sehen die Angebote ähnlich aus. Rechtlich zählt, wer dir Zeit zum Zahlen gibt, ob Zinsen oder Gebühren anfallen und wie lange du Zeit hast. Die Verbraucherzentrale beschreibt den Unterschied so: Beim Rechnungskauf stellt meist der Shop selbst die Rechnung, oft mit 14 Tagen Frist. Bei «Buy now, pay later» wickelt ein Dienstleister als Dritter die Zahlung ab. Bei einer Ratenzahlung schliesst du einen Darlehensvertrag mit dem Dienstleister; die Rückzahlung kann bis zu 48 Monate dauern.
| Zahlungsart | Wer gibt dir Zeit? | Unter den neuen Kreditregeln? | Darauf achtest du |
|---|---|---|---|
| Rechnung direkt vom Shop | Der Shop selbst, ohne Dritten | Meist nein, wenn zins- und gebührenfrei und innerhalb von 50 Tagen nach Lieferung zu zahlen; bei grösseren Onlinehändlern nur bis 14 Tage | Zahlungsfrist und Mahngebühren in den AGB |
| Später zahlen über einen Zahlungsdienst | Ein Zahlungsdienst als Dritter | Ja, neu auch unter 200 Euro | Fälligkeitsdatum und Kosten fürs Verlängern |
| Ratenkauf oder Finanzierung | Zahlungsdienst, Bank oder Kreditgeber | Ja | Effektiver Jahreszins, Gesamtbetrag, Laufzeit |
| Kreditkarte mit späterer Abbuchung | Bank oder Kartenanbieter | Teilweise: Staaten dürfen zinsfreie Karten mit Rückzahlung innerhalb von 40 Tagen ausnehmen | Abrechnungsdatum und Zinsen bei Teilzahlung |
Wichtig beim Rechnungskauf: Bietet ein Dritter den Kredit an, greift die Ausnahme nicht. Bei grösseren Händlern im Fernabsatz, etwa Onlineshops, die keine Kleinst-, Klein- oder Mittelunternehmen sind, gilt die Ausnahme nur bis 14 Tage nach Lieferung, und es reicht schon, wenn ein Dritter die Forderung kauft. Dann gelten die Kreditregeln, auch wenn sich die Zahlung wie eine gewöhnliche Rechnung anfühlt. Begrenzte Kosten für verspätete Zahlungen nach nationalem Recht schliessen die Ausnahme dagegen nicht aus.
Welche Informationen bekommst du vor dem Klick?
Fällt dein Kauf unter die Kreditregeln, muss der Anbieter dich rechtzeitig informieren, bevor du an einen Vertrag oder ein Angebot gebunden bist. Dafür gibt es ein einheitliches Formular, die «Europäischen Standardinformationen für Verbraucherkredite» (englisch kurz SECCI). Es enthält die wichtigsten Vertragsdaten, die Kosten und den effektiven Jahreszins. Diese eine Zahl fasst die Gesamtkosten des Kredits zusammen und macht Angebote vergleichbar.
Werbung für Kredite braucht einen klar erkennbaren Warnhinweis, dass Kreditaufnahme Geld kostet. Weil Später-Zahlen-Angebote nun zu den Krediten zählen, muss der Anbieter ausserdem grundsätzlich deine Kreditwürdigkeit prüfen. Läuft diese Prüfung automatisiert, kannst du verlangen, dass ein Mensch eingreift. Wie Auskunfteien und Scores dabei mitspielen, erklärt Kredit abgelehnt: Bonitätsprüfung und Score erklären lassen.
Der günstigste Preis auf der Produktseite sagt wenig über die Endsumme. Vergleiche deshalb den Gesamtbetrag, den du am Schluss zahlst, wie in Der Preis steigt im Warenkorb: den Endbetrag vor dem Kauf prüfen beschrieben.
Musterformulierung: Informationen anfordern
Findest du die Vertragsinformationen nicht, darfst du sie anfordern. Zum Beispiel per Kontaktformular: «Guten Tag, vor meiner Bestellung möchte ich die Ratenzahlung prüfen. Bitte senden Sie mir die Europäischen Standardinformationen für Verbraucherkredite zu diesem Angebot, mit effektivem Jahreszins, Gesamtbetrag und den Kosten bei verspäteter Zahlung. Freundliche Grüsse»
Kannst du widerrufen oder früher zurückzahlen?
Einen Kreditvertrag kannst du nach EU-Recht innerhalb von 14 Tagen ohne Begründung widerrufen. Bekommst du die Vertragsbedingungen erst später, beginnt die Frist erst dann. Spätestens endet sie dann 12 Monate und 14 Tage nach Vertragsschluss. Diese Obergrenze gilt nicht, wenn du gar nicht über dein Widerrufsrecht informiert wurdest.
Bei kleinen Beträgen war das bisher nicht immer so. Laut Verbraucherzentrale liess sich ein solcher Darlehensvertrag teilweise nicht widerrufen, wenn der Betrag unter 200 Euro lag. Die neue Richtlinie erfasst auch kleinere Kredite. Jedes Land darf aber einzelne Regeln für sehr kleine, zinsfreie oder kurze Kredite lockern. Was genau gilt, steht im nationalen Gesetz und in deinen Vertragsinformationen.
Vorzeitig zurückzahlen darfst du einen Verbraucherkredit nach den EU-Regeln ebenfalls. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, schon vor dem Abschluss zu prüfen, ob das beim konkreten Angebot möglich ist.
Tipp: Der Widerruf des Kredits und die Rücksendung der Ware sind zwei verschiedene Schritte. Wie du einen Onlinekauf widerrufst, zeigt Widerrufsbutton im Onlineshop: Kauf mit wenigen Klicks widerrufen.
Mahnfallen: was passiert, wenn du eine Frist verpasst?
Die meisten Zusatzkosten entstehen nicht beim Kauf, sondern danach. Hast du am Fälligkeitstag nicht genug Geld auf dem Konto, kommen laut Verbraucherzentrale Gebühren auf dich zu. Üblich sind eine bis drei Mahnungen. Zahlst du weiterhin nicht, schaltet der Anbieter in der Regel ein Inkassounternehmen ein.
Die Verbraucherzentrale Hamburg weist darauf hin, dass ein Inkassobüro schon ab dem Zahlungsverzug eingeschaltet werden darf, auch ohne vorherige Mahnung. Manche Zahlungsdienste melden verspätete Zahlungen zudem an Kreditauskunfteien, was deinen Score verschlechtern kann. Auch das Verlängern einer Zahlungsfrist kostet: Dann werden zusätzliche Gebühren fällig.
- Leg das Geld für die Rate gleich am Monatsanfang zur Seite.
- Trag jedes Fälligkeitsdatum in den Kalender ein oder aktiviere die Erinnerung in der App des Zahlungsdiensts.
- Prüfe nach einer Rücksendung, ob der offene Betrag angepasst wurde, bevor du zahlst.
- Übernimm bei Überweisungen die Referenz genau so, wie sie auf der Rechnung steht, damit die Zahlung richtig zugeordnet wird.
- Melde dich bei Zahlungsproblemen früh beim Anbieter, bevor Mahn- und Inkassokosten auflaufen.
Die neue Richtlinie verpflichtet die EU-Staaten ausserdem, Schuldnerberatung für Menschen mit Zahlungsschwierigkeiten zugänglich zu machen. In Österreich verweist die Arbeiterkammer auf die Schuldenberatung.
Was gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
In Deutschland und Österreich kommen die EU-Regeln über das jeweilige nationale Recht. Die Schweiz ist nicht in der EU. Dort gilt weiterhin das Bundesgesetz über den Konsumkredit (KKG), und die EU-Richtlinie ändert daran nichts.
| Land | Rechtsrahmen | Information und Hilfe | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Deutschland | EU-Richtlinie 2023/2225 über deutsches Recht, ab 20.11.2026 | Verbraucherzentralen, Schuldnerberatungsstellen | Inkasso ab Verzug auch ohne vorherige Mahnung möglich |
| Österreich | EU-Richtlinie 2023/2225 über österreichisches Recht; EU-Vorgabe: anzuwenden ab 20.11.2026 | Arbeiterkammer, Schuldenberatung | Die AK rät, sich bei Zahlungsschwierigkeiten sofort bei der Bank zu melden, um teure Spesen und Mahnungen zu vermeiden |
| Schweiz | Konsumkreditgesetz (KKG), kein EU-Recht | Stiftung für Konsumentenschutz | KKG bei Raten über 500 Franken und mehr als drei Monaten Rückzahlung, nicht bei zins- und gebührenfreien Krediten; Verzugszins 5 % pro Jahr |
| Frankreich, Italien, Spanien | EU-Richtlinie 2023/2225 über nationales Recht; EU-Vorgabe: anzuwenden ab 20.11.2026 | Nationale Bank- und Verbraucherbehörden | Gleiche EU-Grundregeln, Details je Land |
Schweiz: Raten, Rechnung und Verzug
Die Stiftung für Konsumentenschutz unterscheidet zwei Fälle. Bietet der Händler die Ratenzahlung von Anfang an an und liegt der Betrag über 500 Franken bei einer Rückzahlung von mehr als drei Monaten, greift das KKG mit seinen Schutzregeln. Bietet er die Raten erst nachträglich an, gelten die KKG-Regeln nicht. Zins- und gebührenfreie Kredite nimmt das KKG laut Merkblatt des Kantons Zürich ganz aus. Wichtig: Wer die erste Rate überweist, stimmt damit dem Abzahlungsvertrag zu.
Beim Kauf auf Rechnung über einen Zahlungsabwickler wird die Forderung an diese Firma «verkauft». Deren Bedingungen enthalten oft hohe Mahngebühren und Inkassokosten. Bei Verzug schreibt das Obligationenrecht 5 Prozent Verzugszins pro Jahr vor; ein höherer Satz gilt nur, wenn er klar vereinbart wurde. Zusätzliche Verzugsschäden hält die Stiftung in den allermeisten Fällen für nicht gerechtfertigt. Bestreitest du in einer Betreibung einen Teil der Forderung, erhebst du innert 10 Tagen Teil-Rechtsvorschlag.
Ein Beispiel: Jonas wählt die Zahlungsart bewusst
Fiktives Beispiel: Jonas aus Bremen bestellt Ende November Weihnachtsgeschenke für 240 Euro bei einem grossen Onlineshop. An der Kasse stehen drei Optionen: Rechnung mit 14 Tagen Frist, «in 30 Tagen bezahlen» über einen Zahlungsdienst und drei Monatsraten. Bisher hat er solche Knöpfe ohne Nachdenken angeklickt.
Diesmal öffnet Jonas vor dem Klick die Vertragsinformationen der Ratenoption. Dort stehen der effektive Jahreszins und die Kosten, falls eine Rate zu spät kommt. Weil er das Geld mit dem nächsten Lohn hat, wählt er die 30-Tage-Option. Er trägt das Fälligkeitsdatum sofort im Kalender ein und legt den Betrag am Zahltag zur Seite.
Ein Geschenk schickt Jonas zurück. Bevor er zahlt, prüft er im Kundenkonto des Zahlungsdiensts, ob der offene Betrag gesunken ist. Erst dann überweist er den Rest. Ob der Black-Friday-Rabatt echt war, hatte er vorher mit dem Ratgeber Black Friday 2026: Rabatte mit dem Preisverlauf ehrlich prüfen kontrolliert.
Häufige Fehler
- «Später zahlen» für kostenlos halten, obwohl Verlängerungen und verspätete Zahlungen Gebühren auslösen.
- Nur auf die Monatsrate schauen statt auf Gesamtbetrag und effektiven Jahreszins.
- Mehrere Zahlungsaufschübe gleichzeitig laufen lassen und den Überblick über die Fälligkeiten verlieren.
- Nach einer Rücksendung den vollen Betrag zahlen, ohne den angepassten Saldo zu prüfen.
- Mahnungen oder Inkassoschreiben liegen lassen, statt früh mit dem Anbieter oder einer Beratungsstelle zu reden.
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Häufige Fragen
Gelten die neuen Regeln auch für Klarna, PayPal und ähnliche Dienste?
Die Richtlinie nennt keine Anbieter. Sie erfasst aber «Buy now, pay later», bei dem ein Kreditgeber dir für einen Kauf Zeit zum Zahlen gibt. Ob ein konkretes Angebot darunterfällt, hängt von seiner Gestaltung ab: wer den Kredit gewährt, ob Zinsen oder Gebühren anfallen und wann du zahlen musst. Die Vertragsinformationen des Anbieters geben dir darüber Auskunft.
Ändert sich etwas an Käufen, die ich vor dem 20. November 2026 gemacht habe?
Grundsätzlich nicht. Kreditverträge, die an diesem Tag schon bestehen, sind von der neuen Richtlinie ausgenommen. Nur einzelne Regeln gelten auch für bestehende unbefristete Kreditverträge. Für deine laufenden Raten zählen also in der Regel die Bedingungen, denen du beim Kauf zugestimmt hast. Du findest sie im Kundenkonto oder in der App des Anbieters.
Ist der normale Rechnungskauf jetzt auch ein Kredit?
Nicht automatisch. Stellt der Shop selbst die Rechnung, ohne Zinsen und weitere Gebühren ausser begrenzten Verzugskosten, und zahlst du innerhalb von 50 Tagen nach Lieferung, bleibt das ausserhalb der Kreditregeln. Bei grösseren Onlinehändlern gilt die Ausnahme nur bis 14 Tage und nur, wenn kein Dritter den Kredit anbietet oder die Forderung kauft.
Was gilt in der Schweiz?
Die EU-Richtlinie gilt in der Schweiz nicht. Massgeblich ist das Konsumkreditgesetz. Laut Stiftung für Konsumentenschutz greift es bei Ratenzahlungen über 500 Franken mit mehr als drei Monaten Rückzahlung; zins- und gebührenfreie Kredite sind ausgenommen. Beim Kauf auf Rechnung über einen Zahlungsabwickler gelten dessen Bedingungen, die oft hohe Mahn- und Inkassokosten enthalten. Lies sie deshalb vor der Bestellung.
Wo bekomme ich Hilfe, wenn ich nicht mehr zahlen kann?
Melde dich früh beim Anbieter, bevor Mahn- und Inkassokosten auflaufen. Nach der neuen Richtlinie müssen die EU-Staaten Schuldnerberatung zugänglich machen. In Deutschland helfen Schuldnerberatungsstellen, in Österreich verweist die Arbeiterkammer auf die Schuldenberatung. In der Schweiz verweist die Stiftung für Konsumentenschutz auf Angebote zur Schuldensanierung und Budgetberatung. Eine Beratung klärt deinen Einzelfall, den dieser Ratgeber nicht ersetzen kann.
Quellen und weiterführende Informationen
Primärquellen von Behörden, Verbraucherschutz und Anbietern. Eine Quelle kann in einer anderen Sprache vorliegen; massgeblich sind die Hinweise für deinen Dienst und deinen Wohnort.
- EUR-Lex: Richtlinie (EU) 2023/2225 über VerbraucherkreditverträgeQuellenstand:
- Verbraucherzentrale: Buy now, pay later, Rechnungskauf und RatenzahlungQuellenstand:
- Verbraucherzentrale Hamburg: Buy now, pay laterQuellenstand:
- Arbeiterkammer: Mit Zahlungen im Rückstand?Quellenstand:
- Stiftung für Konsumentenschutz: Risiken beim Kauf auf Rechnung und RatenzahlungQuellenstand:
- Stiftung für Konsumentenschutz: Verzugszinsen und VerzugsschadenQuellenstand:
- Kanton Zürich, Amt für Wirtschaft und Arbeit: Merkblatt zum Konsumkreditgesetz (KKG)Quellenstand:



