Ein Beispiel: Lena wechselt das Handy vor der Reise
Fiktives Beispiel: Lena aus Kassel bekommt Mitte Juni ein neues Handy, zehn Tage vor ihren Ferien. Am ersten Abend überträgt sie Fotos und Apps, lässt das alte Gerät aber in der Schublade.
Am nächsten Morgen liest sie die Wechselanleitung ihrer Bank. Mit dem funktionierenden alten Gerät kann sie die neue Freigabe-App bestätigen; ohne bräuchte sie ein Aktivierungspasswort aus einem Brief, den sie nicht mehr findet. Lena richtet die App ein, bestätigt mit dem alten Handy und gibt zur Probe eine kleine Überweisung auf ihr Sparkonto frei. Erst dann löscht sie das alte Gerät und schenkt es ihrer Nichte.
Warum zieht die Freigabe nicht einfach mit?
Seit dem 14. September 2019 gilt in der EU die starke Kundenauthentifizierung. Für Login und Zahlungen brauchst du zwei Faktoren aus den Kategorien Wissen (etwa ein Passwort), Besitz und Inhärenz (etwa der Fingerabdruck). Den Besitz weist meist dein Handy nach. Die österreichische Finanzmarktaufsicht nennt als Beispiel eine App auf einem «bei der Bank registrierten Mobiltelefon».
Die Delegierte Verordnung (EU) 2018/389 verlangt, dass nur du mit deinen Sicherheitsmerkmalen und Authentifizierungsgeräten verknüpft bist. Geschieht das aus der Ferne, braucht es selbst eine starke Kundenauthentifizierung, und eine erneute Aktivierung folgt denselben Verfahren wie die erste. Ein Backup bringt deine Inhalte aufs neue Gerät, für die Freigabe musst du deine Identität aber oft erneut bestätigen. Laut «eBanking – aber sicher!» der Hochschule Luzern geschieht das häufig per QR-Code oder Aktivierungsbrief per Post, was Zeit kostet.
| Land | Regeln | Information | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Deutschland | EU-Verordnung 2018/389, gilt seit 14.09.2019 | BSI, BaFin, Verbraucherzentralen | Das BSI rät zu getrennten Geräten für Banking und TAN |
| Österreich | EU-Verordnung 2018/389, gilt seit 14.09.2019 | Finanzmarktaufsicht (FMA) | Die Bank wählt die Verfahren, die FMA überwacht die 2-Faktor-Authentifizierung |
| Schweiz | Kein EU-Recht, jede Bank hat eigene Lösungen | «eBanking – aber sicher!» | Oft neue Identitätsbestätigung per QR-Code oder Brief |
Welches Verfahren nutzt du, und was hängt am Handy?
Welche Verfahren es gibt, legt deine Bank fest, und die Namen unterscheiden sich je nach Institut. Das BSI ordnet sie in diese Gruppen:
| Verfahren | So funktioniert es | Hängt am Handy? | Beim Wechsel |
|---|---|---|---|
| pushTAN oder App-Freigabe | App zeigt den Auftrag, Freigabe per Biometrie, Klick oder Passwort | Ja, die App wird bei der Bank angemeldet | Nach Anleitung der Bank neu einrichten |
| photoTAN oder QR-TAN per App | App liest eine Grafik vom Bildschirm | Ja, wenn du eine App statt eines Lesegeräts nutzt | App nach Anleitung der Bank neu einrichten |
| chipTAN mit TAN-Generator | Generator erzeugt die TAN mit deiner Bankkarte | Nein, er ist nicht mit dem Internet verbunden | Nur die Banking-App neu installieren |
| smsTAN (mTAN) | TAN kommt per SMS | Ja, über die SIM-Karte | SIM oder eSIM zuerst umziehen; viele Banken bieten es nicht mehr an |
Den Besitz weist laut BaFin etwa das Mobiltelefon nach, genauer die SIM-Karte. Nutzt du Banking- und Freigabe-App auf demselben Handy, ziehst du beide um; ein TAN-Generator ist nicht betroffen. Das BSI empfiehlt ohnehin, Banking und TAN-Erstellung auf getrennten Geräten zu erledigen.
Was erledigst du vor, am und nach dem Wechseltag?
Ein Aktivierungsbrief per Post kostet Zeit. Fang deshalb einige Tage vorher an und leg den Wechsel nicht direkt vor eine Reise oder eine wichtige Zahlung.
Einige Tage vorher
- Wechselanleitung deiner Bank lesen: Brauchst du das alte Gerät, einen Brief oder einen QR-Code?
- Zugangsdaten prüfen, also Anmeldename oder Legitimations-ID und PIN, und dich zur Probe einmal anmelden.
- Bankkarte und vorhandene Aktivierungsbriefe bereitlegen; fehlt etwas, jetzt die Bank fragen.
Am Wechseltag
- Daten aufs neue Handy übertragen, das alte aber nicht zurücksetzen.
- Apps nur aus dem offiziellen Store oder über die Website der Bank installieren, siehe Eine App installieren: den richtigen Anbieter finden.
- Die Reihenfolge der Bank einhalten, bei den Sparkassen etwa erst pushTAN, dann die App Sparkasse.
- Bildschirmsperre aktivieren und eine selbst ausgelöste Freigabe testen.
Danach
- Bank-Apps auf dem alten Gerät deinstallieren. Zeigt deine Bank eine Liste registrierter Geräte, das alte dort entfernen.
- Erst jetzt das alte Handy zurücksetzen (Schritte weiter unten).
Wie sieht eine Wechselanleitung aus? Beispiel Sparkassen
pushTAN heisst das App-Verfahren der Sparkassen; andere Banken nennen ihre Freigabe-App anders. Für den Wechsel brauchst du laut Sparkasse das neue Gerät, das funktionstüchtige alte Gerät mit der pushTAN-App oder alternativ die Kartennummer deiner Sparkassen-Card, deine Online-Banking-Zugangsdaten, Angaben zu deiner Sparkasse und eine Internetverbindung.
Sparkassen: pushTAN und App Sparkasse
- Installiere zuerst pushTAN, danach die App Sparkasse. Nutzt du chipTAN, installierst du nur die App Sparkasse.
- Lade jeweils die aktuelle Version im App Store bzw. bei Google Play herunter.
- Wähle für pushTAN den Weg mit oder ohne funktionstüchtiges Altgerät. Ohne Altgerät brauchst du die Kartennummer und das Aktivierungs-Passwort.
- Optional: Leg auf dem alten Gerät in der App Sparkasse unter «Einstellungen» ein Backup an, etwa für Überweisungsvorlagen. Nach der Einrichtung bietet die neue App an, es zu laden.
- Deinstalliere danach die Sparkassen-Apps auf dem alten Gerät.
Menüpfad laut Herstellerhilfe, je nach Gerät und Version sind Abweichungen möglich: sparkasse.de
Das Aktivierungs-Passwort schickt die Sparkasse in der Regel bei der ersten Anmeldung zu pushTAN per Post. Bewahre solche Briefe sicher und getrennt vom Handy auf.
Wann darfst du das alte Handy löschen?
Erst wenn Freigaben auf dem neuen Gerät sicher funktionieren. «eBanking – aber sicher!» rät, das alte Smartphone so lange zu behalten, bis die Banking-Apps auf dem neuen eingerichtet sind.
iPhone (iOS 26 oder neuer)
- Öffne Einstellungen › [dein Name], scrolle nach unten und tippe auf «Abmelden».
- Öffne danach Einstellungen › Allgemein › iPhone übertragen/zurücksetzen › Alle Inhalte & Einstellungen löschen.
- Gib bei Bedarf deinen Gerätecode ein und tippe auf «iPhone löschen».
- Wirst du nach der eSIM gefragt, wähle, Gerät und eSIM-Profil zu löschen. Entferne das alte Gerät danach aus der Liste deiner vertrauenswürdigen Geräte.
Menüpfad laut Herstellerhilfe, je nach Gerät und Version sind Abweichungen möglich: support.apple.com
Android (je nach Hersteller verschieden)
- Sichere deine Daten im Google-Konto. Apps und ihre Daten werden beim Zurücksetzen entfernt.
- Halte Nutzername und Passwort des Google-Kontos sowie PIN, Muster oder Passwort der Displaysperre bereit. Hast du das Google-Passwort kürzlich zurückgesetzt, warte 24 Stunden.
- Lade das Gerät auf mindestens 70 % und verbinde es mit WLAN oder Mobilfunk. Das Zurücksetzen kann bis zu einer Stunde dauern.
- Setze das Gerät über die Einstellungen-App auf die Werkseinstellungen zurück. Die genauen Menüpunkte nennt die Supportseite deines Geräteherstellers.
Menüpfad laut Herstellerhilfe, je nach Gerät und Version sind Abweichungen möglich: support.google.com
Was du vor einer Weitergabe sonst prüfst: Altes Handy weitergeben: erst sichern, dann richtig abmelden.
Altes Handy kaputt, weg oder schon gelöscht: was nun?
Dann fehlt das Gerät, mit dem du das neue aus der Ferne bestätigen könntest, und die Bank braucht einen anderen sicheren Weg: bei den Sparkassen Kartennummer und Aktivierungs-Passwort, bei anderen Banken laut «eBanking – aber sicher!» oft QR-Code oder Aktivierungsbrief. Als sichere Umgebung für die Identitätsprüfung nennt die EU-Verordnung auch die Geschäftsräume der Bank. Frag also, ob die Freischaltung in einer Filiale geht, und plane bis dahin Karte oder Bargeld ein.
Ist das alte Handy verloren oder gestohlen, informiere sofort deine Bank, rät die Verbraucherzentrale. Das BSI empfiehlt, SIM-Karte und Bankzugänge sperren zu lassen. Mehr dazu: Handy verloren: sperren, Ersatzwege nutzen und Kontakte ordnen.
Aufforderung zum «Neu-Registrieren»: woran erkennst du eine Falle?
Einen Gerätewechsel startest du selbst. Die französische Hilfeplattform cybermalveillance.gouv.fr beschreibt Nachrichten, die sich auf die EU-Zahlungsregeln berufen, zum Aktivieren einer Sicherheitsfunktion drängen, mit einer Kontosperre drohen und auf nachgebaute Bankseiten führen.
- Deine Bank fragt dich nie per E-Mail oder Telefon nach deinem Passwort, betont die Verbraucherzentrale.
- Öffne das Onlinebanking selbst über die App oder ein Lesezeichen, nie über einen Link aus einer Nachricht.
- Gib nur Vorgänge frei, die du selbst ausgelöst hast, nie die Einrichtung eines fremden Geräts.
- Lass dich per Video nur identifizieren, wenn der Zweck klar ist, etwa weil du die Freischaltung selbst beantragt hast.
Wie du Freigabe-Meldungen liest, zeigt Freigabe in der Banking-App: Push-Meldungen genau lesen.
Häufige Fehler
- Das alte Handy zurücksetzen, verkaufen oder verschenken, bevor die Freigabe auf dem neuen Gerät funktioniert.
- Den Wechsel direkt vor eine Reise oder eine wichtige Zahlung legen, obwohl ein Aktivierungsbrief per Post Zeit kostet.
- Sich darauf verlassen, dass Backup oder Schnellstart auch die Freigabe mitnehmen.
- Zugangsdaten und Aktivierungsbriefe nicht mehr finden, weil sich die App bisher alles gemerkt hat.
- Auf eine Aufforderung zum «Neu-Registrieren» reagieren, die du nicht selbst ausgelöst hast.
Deine Checkliste
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Häufige Fragen
Brauche ich für pushTAN auf dem neuen Handy einen neuen Brief?
Nicht unbedingt. Bei den Sparkassen kannst du den Wechsel mit dem funktionstüchtigen alten Gerät und deinen Online-Banking-Zugangsdaten erledigen. Fehlt das alte Gerät, brauchst du die Kartennummer deiner Sparkassen-Card und das Aktivierungs-Passwort, das in der Regel bei der ersten Anmeldung per Post kam. Andere Banken arbeiten oft mit QR-Code oder Aktivierungsbrief. Was bei dir gilt, steht in der Wechselanleitung deiner Bank.
Ich habe das alte Handy schon gelöscht. Was jetzt?
Melde dich bei deiner Bank über eine Nummer aus deinen Unterlagen oder von ihrer Website und frag nach dem Weg ohne Altgerät. Bei den Sparkassen sind das Kartennummer und Aktivierungs-Passwort. Andere Banken schicken laut «eBanking – aber sicher!» oft einen Aktivierungsbrief. Plane bis dahin ein, wie du ohne Onlinebanking bezahlst, etwa mit Karte oder Bargeld.
Geht Onlinebanking auch ohne Smartphone?
Das hängt von deiner Bank ab. Das BSI beschreibt mit chipTAN ein Verfahren, bei dem ein TAN-Generator zusammen mit deiner Bankkarte die TAN erzeugt. Der Generator ist nicht mit dem Internet verbunden und deshalb vom Handywechsel nicht betroffen. Welche Verfahren du nutzen kannst, legt deine Bank fest. Frag am besten vor dem Wechsel danach, auch nach möglichen Kosten.
Gilt das auch in der Schweiz?
Die EU-Verordnung gilt in der Schweiz nicht, jede Bank hat eigene IT-Lösungen. Laut «eBanking – aber sicher!» der Hochschule Luzern verlangen viele Banken beim Wechsel trotzdem eine erneute Identitätsbestätigung, oft per QR-Code oder Aktivierungsbrief. Behalte deshalb auch in der Schweiz das alte Handy, bis die Banking-Apps auf dem neuen Gerät eingerichtet sind, und folge der Anleitung deiner Bank.
Quellen und weiterführende Informationen
Primärquellen von Behörden, Verbraucherschutz und Anbietern. Eine Quelle kann in einer anderen Sprache vorliegen; massgeblich sind die Hinweise für deinen Dienst und deinen Wohnort.
- EUR-Lex: Delegierte Verordnung (EU) 2018/389 zur starken KundenauthentifizierungQuellenstand:
- BSI: TAN-VerfahrenQuellenstand:
- BSI: Mobile BankingQuellenstand:
- BaFin: Starke Kundenauthentifizierung – Regeln für Onlinebanking und OnlineshoppingQuellenstand:
- Verbraucherzentrale: Schutz vor Betrug – Tipps für sicheres OnlinebankingQuellenstand:
- FMA Österreich: Starke Kundenauthentifizierung – weshalb und wie erfolgt sie?Quellenstand:
- eBanking – aber sicher! (Hochschule Luzern): Smartphone-Wechsel und Mobile-Banking-AppQuellenstand:
- Sparkasse: Apps beim Gerätewechsel einrichtenQuellenstand:
- cybermalveillance.gouv.fr: Recrudescence de l'hameçonnage bancaire (DSP2) (französisch)Quellenstand:



