Ein Beispiel: zwei Meldungen am selben Abend
Fiktives Beispiel: Miriam aus Kassel bestellt am Laptop einen Wintermantel für 129,90 Euro. Ihre Banking-App meldet: Zahlung über 129,90 EUR an «Modehaus Nord». Betrag und Shop passen zum Warenkorb, sie bestätigt.
Eine Stunde später ruft ein angeblicher Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung ihrer Bank an. Er kennt ihren Namen und meldet eine verdächtige Abbuchung, die sie mit einer Freigabe stoppen könne. Die Meldung kommt, und Miriam liest genau: Überweisung über 1.480,00 EUR an «L. Hofer». Von Stoppen steht dort nichts.
Sie lehnt ab, legt auf und wählt die Nummer auf der Rückseite ihrer Bankkarte. Die Bank hat nicht angerufen. Weil offenbar jemand ihre Zugangsdaten kennt, lässt Miriam den Onlinezugang sperren und neu einrichten.
Was bestätigst du mit einer Freigabe eigentlich?
Freigaben in der Banking- oder TAN-App gehören zur starken Kundenauthentifizierung: Du weist dich mit mindestens zwei Faktoren aus verschiedenen Kategorien aus, etwa Wissen (Passwort), Besitz (Handy) und Inhärenz (Fingerabdruck). So erklärt es die deutsche Finanzaufsicht BaFin. Pflicht ist sie beim Bezahlen im Internet und beim Onlinezugriff auf dein Zahlungskonto. Eine Meldung kann also auch eine Anmeldung betreffen.
Für Onlinezahlungen, auch per App, gilt in der EU seit dem 14. September 2019 die dynamische Verknüpfung (Delegierte Verordnung (EU) 2018/389, Artikel 5): Dir werden Betrag und Zahlungsempfänger angezeigt, und der dabei erzeugte Code gilt nur für genau diese Angaben. Jede Änderung von Betrag oder Empfänger macht ihn ungültig.
Daraus folgt: Die Meldung zeigt dir, was du unterschreibst. Was jemand am Telefon dazu erzählt, ändert den Auftrag nicht. Steht dort eine Überweisung, ist es eine Überweisung.
Was prüfst du in der Meldung, bevor du tippst?
| Angabe | Freigeben, wenn … | Ablehnen, wenn … |
|---|---|---|
| Art des Vorgangs | sie zu dem passt, was du gerade tust: bezahlen, überweisen oder anmelden | du nichts gestartet hast oder die Art nicht zu deinem Vorhaben passt |
| Betrag | er genau dem Betrag im Warenkorb oder in deiner Überweisung entspricht | er abweicht, auch nur um wenige Euro oder Franken |
| Empfänger | der Name des Shops oder der Person und, falls angezeigt, die IBAN stimmen | ein unbekannter Name oder eine fremde IBAN erscheint |
| Zeitpunkt | die Meldung direkt nach deiner eigenen Aktion kommt | sie ohne dein Zutun oder während eines Anrufs erscheint |
| Umstände | du in Ruhe und allein entscheidest | jemand mithört, Anweisungen gibt oder zur Eile drängt |
Fehlt eine Angabe oder bist du unsicher, brich ab. Die BaFin rät ausdrücklich, die Angaben etwa in der pushTAN-App zu prüfen und Transaktionen im Zweifel abzubrechen.
Tipp: Lass beim Onlinekauf den Warenkorb offen, bis die Meldung kommt. So vergleichst du Betrag und Shop direkt.
Zu Warnhinweisen bei Überweisungen siehe den Ratgeber Empfängerüberprüfung bei Überweisung.
Woran merkst du, dass dich jemand zu einer fremden Freigabe drängt?
Bei dieser Masche startet jemand anderes den Vorgang mit deinen Zugangsdaten, und du sollst ihn bestätigen. Typische Signale:
- Ein unerwarteter Anruf, eine SMS oder ein Chat kündigt die Meldung an.
- Die Freigabe soll angeblich etwas stoppen, stornieren oder schützen.
- Du sollst einen Code vorlesen oder «nur kurz bestätigen».
- Die Person kennt Namen, Bank oder Kundennummer. Das beweist nicht, dass sie wirklich für deine Bank arbeitet.
- Die Nummer deiner Bank wird angezeigt. Auch Rufnummern lassen sich fälschen.
- Du sollst eine App installieren oder Fernzugriff erlauben.
Banken und Zahlungsdienstleister fragen laut BaFin niemals per E-Mail oder Telefon nach vertraulichen Zugangsdaten. Merksatz: Bestätige nie einen Vorgang, den du nicht selbst ausgelöst hast, auch wenn er angeblich etwas rückgängig machen soll.
Wie du ein solches Gespräch beendest, zeigt Unerwarteter Bankanruf. Bei installierter Fernwartungs-App hilft Unbekannten Fernzugriff erlaubt.
Schon freigegeben: Was jetzt zählt
- Ruf sofort deine Bank über einen bekannten Kontakt an. Laut BSI lassen sich manche Kontobewegungen unter Umständen noch rückgängig machen.
- Lass Onlinezugang und Karten sperren, in Deutschland auch über den Sperr-Notruf 116 116 (aus dem Ausland +49 116 116).
- Sichere Kontoauszug, Uhrzeit, Rufnummer und Nachrichten.
- Erstatte Anzeige bei der Polizei.
Mehr dazu im Ratgeber Geld an Betrüger überwiesen.
Rechtslage in Deutschland (Stand: 18. Oktober 2026): Bei einer nicht autorisierten Zahlung kann die Bank von dir höchstens 50 Euro verlangen, ausser du hast betrügerisch, vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt (§ 675v BGB). Melde den Vorgang unverzüglich (§ 676b BGB). Meldest du ihn nicht spätestens 13 Monate nach der Belastung, sind deine Ansprüche ausgeschlossen. Ob eine selbst bestätigte, aber erschlichene Zahlung als nicht autorisiert gilt, entscheidet sich im Einzelfall. Lass dich dazu von einer Verbraucherzentrale oder einer Rechtsberatung beraten.
Wo bekommst du Hilfe in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
| Land | Sofort | Melden und Hilfe | Gut zu wissen |
|---|---|---|---|
| Deutschland | Bank über einen bekannten Kontakt; Sperr-Notruf 116 116 | Anzeige bei der Polizei; Beratung bei der Verbraucherzentrale | Haftung und Fristen nach §§ 675v und 676b BGB |
| Österreich | Bank über die offizielle Nummer; Karten und Zugänge sperren lassen | Anzeige bei der Polizei, auch über die Servicenummer der Polizei 059 133 (verbindet mit der nächsten Dienststelle oder einer Leitstelle); Beratung beim Konsumentenschutz der Arbeiterkammer | Die EU-Regeln zur starken Kundenauthentifizierung gelten wie in Deutschland |
| Schweiz | Bank sofort informieren; E-Banking-Vertrag, Konten und Karten sperren lassen | Anzeige bei der Polizei; Meldung an das Bundesamt für Cybersicherheit BACS über dessen Meldeformular | Kein EU-Mitglied: EU-Zahlungsregeln gelten nicht automatisch. Die Haftung wird im Einzelfall nach den Sorgfaltspflichten von Bank und Kundschaft beurteilt. Frag deine Bank nach ihren E-Banking-Bedingungen. |
Tipp: «eBanking – aber sicher!» der Hochschule Luzern rät, betroffene Geräte vom Internet zu trennen, aber nicht sofort zurückzusetzen: Die Polizei braucht sie womöglich für eine Analyse.
Häufige Fehler
- Nur auf den Knopf «Freigeben» achten und den Text darüber überspringen.
- Einem Anrufer glauben, weil er deinen Namen kennt oder die Nummer der Bank angezeigt wird.
- Annehmen, eine Freigabe könne eine Zahlung stoppen, ein Konto sichern oder Geld zurückholen.
- Eine unerwartete Meldung bestätigen, nur damit sie verschwindet.
- Nach einer falschen Freigabe abwarten, statt sofort die Bank zu informieren.
Deine Checkliste
Die Häkchen dienen nur deiner Übersicht. Hier werden keine Eingaben an uns gesendet. Zum Aufbewahren kannst du die Seite über das Browsermenü drucken oder als PDF speichern.
Häufige Fragen
Ruft meine Bank an und bittet um eine Bestätigung in der App?
Laut BaFin fragen Banken und Zahlungsdienstleister niemals per E-Mail oder Telefon nach vertraulichen Zugangsdaten. Fordert dich ein Anrufer zu einer Freigabe auf, beende das Gespräch. Ruf über eine Nummer zurück, die du selbst herausgesucht hast, etwa von deiner Karte oder der Website der Bank. Auch eine angezeigte Bankrufnummer beweist nichts.
Ist der Fingerabdruck sicherer als ein Freigabeklick?
Biometrie stellt sicher, dass du selbst die Freigabe gibst. Ob der Auftrag stimmt, prüft sie nicht. Wer dich am Telefon überredet, braucht deinen Finger nicht zu kopieren, nur deine Bestätigung. Deshalb gilt bei jeder Methode, ob Klick, Passwort oder Biometrie: zuerst Art, Betrag und Empfänger lesen, dann entscheiden.
Bekomme ich mein Geld zurück, wenn ich selbst bestätigt habe?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Die Grenze von 50 Euro gilt für nicht autorisierte Zahlungen; bei grober Fahrlässigkeit haftest du voll. Ob eine erschlichene Freigabe als autorisiert gilt, wird im Einzelfall beurteilt. Melde den Vorgang sofort deiner Bank und lass dich bei Bedarf beraten. In der Schweiz gelten andere Regeln.
Warum kommt eine Freigabe-Anfrage, obwohl ich nichts gemacht habe?
Möglicherweise versucht jemand, sich mit deinen Daten anzumelden oder zu zahlen. Lehne ab, auch wenn die Anfrage mehrmals kommt, und öffne keine Links aus gleichzeitig eintreffenden Nachrichten. Öffne dann selbst die Banking-App, prüf die Umsätze und melde den Vorfall deiner Bank. Ein neues Passwort setzt du von einem Gerät aus, dem du vertraust.
Quellen und weiterführende Informationen
Primärquellen von Behörden, Verbraucherschutz und Anbietern. Eine Quelle kann in einer anderen Sprache vorliegen; massgeblich sind die Hinweise für deinen Dienst und deinen Wohnort.
- BaFin: Starke Kundenauthentifizierung – Regeln für Onlinebanking und OnlineshoppingQuellenstand:
- EUR-Lex: Delegierte Verordnung (EU) 2018/389 zur starken KundenauthentifizierungQuellenstand:
- BSI: Onlinebanking – was tun im Ernstfall?Quellenstand:
- Gesetze im Internet: § 675v BGB – Haftung des Zahlers bei missbräuchlicher Nutzung eines ZahlungsinstrumentsQuellenstand:
- Gesetze im Internet: § 676b BGB – Anzeige nicht autorisierter Zahlungsvorgänge und Frist von 13 MonatenQuellenstand:
- eBanking – aber sicher! (Hochschule Luzern): Konto gehackt – was nun?Quellenstand:
- Bundeskriminalamt Österreich: Kontakt, Notrufnummern und Servicenummer der PolizeiQuellenstand:
- Bundesamt für Cybersicherheit BACS (Schweiz): Kontakt und Meldeformular für CybervorfälleQuellenstand:



