Nachrichten und Anrufe prüfen

Online-Bekanntschaft mit Anlagetipps: den Krypto-Köder erkennen

Ihr schreibt euch seit Wochen, die Nachrichten sind herzlich, von Geld war nie die Rede. Dann erzählt die neue Bekanntschaft von Gewinnen mit Krypto oder Trading und bietet an, dir ihre Plattform zu zeigen. Hier erfährst du, woran du diese Masche erkennst, wie du Anbieter selbst prüfst und wie du den Kontakt ohne weiteren Schaden beendest.

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Zwei Hände halten abends ein Smartphone mit unscharfen Chatblasen, dahinter weiches Lampenlicht und ein Glas Tee auf dem Sofatisch.
KI-generiertes Bild; kein realer Vorfall und keine echte Benutzeroberfläche.
Für wen
Alle, die online flirten oder neue Kontakte knüpfen
Zeitbedarf
10 Minuten
Schwierigkeit
leicht
Du brauchst
Chatverlauf, Name der Plattform, Website der Finanzaufsicht
Gilt für
DE, AT, CH

Das Wichtigste zuerst

  • Lenkt dich eine Online-Bekanntschaft zu einer Anlageplattform, ist das ein typisches Warnsignal: Überweise kein Geld und installiere auf ihren Rat keine App und keinen Fernzugriff.
  • Prüfe den Anbieter selbst bei der Finanzaufsicht, sichere den Chat und beende dann den Kontakt.
  • Hast du schon bezahlt, ruf sofort deine Bank an und erstatte Anzeige.

Wie läuft die Masche ab?

Polizei und Finanzaufsicht beschreiben einen wiederkehrenden Ablauf. Der Kontakt beginnt etwa über eine Dating-App oder ein soziales Netzwerk. Die Polizei beschreibt Lockvögel, die flirten, Vertrauen aufbauen und erst nach Wochen angebliche Anlageportale empfehlen.

Typischer Ablauf des Anlagebetrugs über eine Online-Bekanntschaft
PhaseWas passiertDein Schritt
KennenlernenKontakt über Dating-App oder Netzwerk, viele Komplimente, schnell Pläne für eine gemeinsame ZukunftProfilfotos mit der umgekehrten Bildersuche prüfen
VertrauenOft erst nach Wochen erzählt die Person von angeblichen Gewinnen und gibt AnlagetippsKeine Finanzdaten und keine Ausweiskopie teilen
PlattformEmpfehlung einer bestimmten Website oder App, teils mit Hilfe per Fernzugriff beim EinrichtenNichts installieren, Anbieter selbst prüfen
Erste EinzahlungKleiner Betrag, oft per Krypto-Wallet; Gewinne aus Betrugssoftware, manchmal eine kleine TestauszahlungAngezeigte Gewinne nicht als Beweis nehmen
DruckDu sollst mehr einzahlen; Auszahlung nur gegen angebliche Steuern oder GebührenNicht weiter zahlen, Bank und Polizei einschalten
NachspielAngebliche Anwälte oder Ermittler wollen das Geld gegen eine Gebühr zurückholenNicht darauf eingehen

Woran erkennst du den Krypto-Köder?

Ein einzelnes Merkmal beweist noch keinen Betrug. Kommen mehrere zusammen, halte inne.

In der Beziehung

  • Sehr schnelle Liebesbekundungen oder Zukunftspläne, bevor ihr euch je getroffen habt.
  • Geplante Treffen fallen immer wieder kurzfristig aus, etwa wegen Unfall oder Krankheit.
  • Die Person lebt oder arbeitet angeblich im Ausland.
  • Ein Videochat beweist laut Verbraucherzentrale nicht automatisch Seriosität.

Im Anlageangebot

  • Hohe, angeblich sichere Gewinne; bei Anlagebetrug über Messenger-Gruppen hat die BaFin Renditeversprechen von bis zu 700 Prozent festgestellt.
  • Zeitdruck: Die Chance gelte nur jetzt.
  • Eine ganz bestimmte Plattform oder App, die du nicht kennst.
  • Die Bitte um Fernzugriff auf Computer oder Handy.
  • Einzahlung auf ein Krypto-Wallet oder ein Konto, das nicht erkennbar zum Anbieter gehört.
  • Auszahlung nur gegen vorherige Steuern, Gebühren oder Versicherungen.

Tipp: Erzähl einer Vertrauensperson von der Bekanntschaft und dem Angebot. Die Polizei rät, unabhängige Informationen einzuholen und mit Freunden oder Familie zu sprechen.

Wie prüfst du Person und Plattform?

Prüfe immer über Wege, die du selbst gefunden hast, nie über Links oder Nummern aus dem Chat.

  • Profilbilder: Die umgekehrte Bildersuche zeigt, ob Fotos gestohlen sind oder aus Bilddatenbanken stammen. Auch eine Suche nach dem Namen mit dem Zusatz «Scammer» hilft, rät die Verbraucherzentrale.
  • Deutschland: In der Unternehmensdatenbank der BaFin siehst du, ob ein Anbieter zugelassen ist. Möglich ist auch eine Lizenz einer Aufsicht aus einem anderen EWR-Land.
  • Österreich: In der Unternehmensdatenbank der Finanzmarktaufsicht (FMA) stehen alle in Österreich zugelassenen Finanzunternehmen. Zusätzlich veröffentlicht die FMA Investorenwarnungen.
  • Schweiz: Die FINMA führt eine Warnliste und rät, die Bewilligung eines Anbieters zu prüfen. Schweizer Firmen findest du im Handelsregister über zefix.ch.

Fehlt ein Anbieter auf der Warnliste, ist er nicht automatisch seriös: Laut BaFin können Warnmeldungen nie vollständig sein, und Kriminelle missbrauchen oft die Identität echter Firmen. Nutze deshalb nur Kontaktdaten, die du selbst im Register gefunden hast.

Wie beendest du den Kontakt sicher?

Du musst die Person weder überführen noch ihr etwas erklären. Wichtig ist die Reihenfolge.

  1. Sichere Chatverläufe, Profilangaben, Screenshots der Plattform und Zahlungsbelege, am besten auch auf einem USB-Stick.
  2. Zahle nichts mehr ein, auch keine Gebühr für eine angebliche Auszahlung.
  3. Brich den Kontakt ab, antworte nicht mehr und blockiere die Person.
  4. Melde das Profil der Dating-Plattform oder dem Netzwerk.
  5. Hast du Fernzugriff erlaubt, folge Unbekannten Fernzugriff erlaubt: Verbindung beenden und Hilfe holen.

Rechne mit Vorwürfen, neuen Versprechen oder Druck. Druck mit Sätzen wie «Du bist meine letzte Hoffnung» ist laut Polizei ein Warnsignal, denn emotionale Manipulation ist ein starkes Werkzeug der Täter.

Schon Geld überwiesen: was tust du jetzt?

Ruf sofort deine Bank an: Bei einer bereits ausgeführten Überweisung hilft laut Verbraucherzentrale allenfalls ein schneller Anruf. Erstatte danach Anzeige. Ausführliche erste Schritte findest du in Geld an Betrüger überwiesen: erste Schritte mit Bank und Polizei.

Länderbox: Anbieter prüfen und Vorfall melden (Stand: 18. Oktober 2026)
LandAnbieter prüfenAnzeige und MeldungGut zu wissen
DeutschlandBaFin-Unternehmensdatenbank und BaFin-WarnmeldungenPolizei, auch über die Onlinewache deines BundeslandsVerbraucherzentralen melden sich nicht ungefragt bei dir
ÖsterreichFMA-Unternehmensdatenbank und InvestorenwarnungenPolizei; Plattform an Watchlist Internet und die FMA meldenBei finanziellen Problemen unterstützt die Schuldenberatung
SchweizFINMA-Warnliste und Bewilligung, Handelsregister zefix.chAnzeige bei der zuständigen KantonspolizeiDas BACS rät, nur über von der FINMA bewilligte Anbieter zu investieren

Vorsicht vor dem zweiten Betrug

Teils erst Jahre später melden sich angebliche Anwälte, Ermittler oder Behörden, die das Geld gegen eine Gebühr zurückholen wollen. Die BaFin warnt ausdrücklich davor. Mehr dazu in Hilfe gegen Vorkasse nach einem Betrug: das zweite Risiko erkennen.

Ein Beispiel: Ruth und der freundliche Ingenieur

Fiktives Beispiel: Ruth aus Winterthur lernt in einer Dating-App einen Mann kennen, der angeblich als Ingenieur im Ausland arbeitet. Nach drei Wochen täglicher Nachrichten erwähnt er seine Gewinne mit Krypto-Trading, schickt einen Plattform-Link und bietet Hilfe per Fernzugriff an.

Ruth zahlt 250 Franken ein, am nächsten Tag zeigt die Plattform 40 Prozent Gewinn. Als er drängt, 10 000 Franken nachzulegen, wird sie stutzig. Bei der FINMA findet sie keine Bewilligung, und seine Fotos stammen aus einer Bilddatenbank.

Ruth sichert den Chat, blockiert ihn und meldet den Fall mit ihrer Tochter der Polizei. Die 250 Franken sind vermutlich verloren, die 10 000 nicht.

Häufige Fehler

  • Die Gewinne auf der Plattform für echtes Geld halten, obwohl dort oft gar nicht gehandelt wird.
  • Eine kleine Testauszahlung als Beweis für Seriosität werten.
  • Für die Auszahlung «nur noch» Steuern oder Gebühren überweisen.
  • Der Person zuliebe Fernzugriff, eine Ausweiskopie oder den Zugang zum Onlinebanking freigeben.
  • Aus Scham schweigen, statt sofort Bank, Polizei und eine Vertrauensperson einzuschalten.

Deine Checkliste

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Häufige Fragen

Ist jede Online-Bekanntschaft, die über Geld spricht, ein Betrug?

Nein. Auch ehrliche Menschen erzählen von ihren Finanzen. Heikel wird es, wenn die Person dich zu einer bestimmten Plattform oder App lenkt, sichere hohe Gewinne verspricht, Druck macht oder beim Einrichten helfen will. Die Polizei rät grundsätzlich, kein Geld an Menschen zu senden, die du noch nie persönlich getroffen hast. Anlageentscheidungen triffst du besser unabhängig von einer Chat-Bekanntschaft.

Die Plattform zeigt Gewinne. Kann ich nicht einfach alles auszahlen lassen?

Verlangt die Plattform vor der Auszahlung Steuern, Gebühren oder eine Versicherung, ist das laut Polizei und BaFin ein typisches Zeichen dieser Masche. Oft findet gar kein Handel statt, und die Zahlen stammen aus Betrugssoftware. Zahle deshalb nichts nach. Sichere die Belege, brich den Kontakt ab und wende dich an deine Bank und die Polizei.

Ich schäme mich. Soll ich trotzdem Anzeige erstatten?

Ja, auch wenn das Geld vielleicht nicht zurückkommt. Die Verbraucherzentrale rät, umgehend Strafanzeige zu stellen, in vielen Bundesländern geht das online. In der Schweiz ermöglicht eine Anzeige laut BACS Ermittlungen, die sonst nicht möglich wären. Die Täter nutzen Gefühle gezielt aus, das ist keine Frage von Naivität. Hol dir Unterstützung bei einer Vertrauensperson. Rechtliche Fragen zu deinem Fall klärt eine Fachberatung.

Quellen und weiterführende Informationen

Primärquellen von Behörden, Verbraucherschutz und Anbietern. Eine Quelle kann in einer anderen Sprache vorliegen; massgeblich sind die Hinweise für deinen Dienst und deinen Wohnort.

  1. polizei-beratung.de: Cybertrading-BetrugQuellenstand:
  2. polizei-beratung.de: Romance Scamming (Liebesbetrug)Quellenstand:
  3. BaFin: Anlagebetrug über WhatsApp und TelegramQuellenstand:
  4. Verbraucherzentrale: Love Scamming, so schützen Sie sich vor LiebesbetrugQuellenstand:
  5. oesterreich.gv.at (verantwortlich: FMA): InvestorenwarnungenQuellenstand:
  6. Watchlist Internet: Was tun, wenn Sie auf Anlagebetrug reingefallen sind?Quellenstand:
  7. FINMA: Praktische Tipps zum Schutz vor unseriösen AnbieternQuellenstand:
  8. BACS: Woche 38, Investmentbetrug und vermeintliche Hilfestellung nach hohem VerlustQuellenstand: