Was können Filter gegen Spam-Anrufe ausrichten?
Hinter lästigen Anrufen steckt meist eines von zwei Dingen: Werbung, der du nie zugestimmt hast, oder ein Betrugsversuch. In beiden Fällen ist die angezeigte Nummer nicht immer echt. Die Bundesnetzagentur erklärt, dass Anrufende die Absendernummer fälschen können, ohne sie zu besitzen. Fachleute nennen das Spoofing. Verwendet werden echte Nummern unbeteiligter Personen oder frei erfundene Nummern.
Filter arbeiten deshalb auf zwei Ebenen: Dein Handy sortiert Anrufe nach Kontakten, Spam-Hinweisen des Herstellers und selbst blockierten Nummern. Im Netz unterdrücken oder sperren die Anbieter auffällige Anrufe, etwa aus dem Ausland mit inländischer Nummer. Laut BAKOM schützen Filter nur bis zu einem gewissen Grad; ganz verschwinden unerwünschte Anrufe nicht.
Tipp: Bevor du einen Filter einschaltest, speichere die Nummern, die dich immer erreichen müssen: Arztpraxis, Schule, Kita, Pflegedienst, Arbeitgeber. Anrufe von gespeicherten Kontakten siehst du laut Apple immer.
Wie stellst du den Filter am iPhone ein?
Apple bietet drei Werkzeuge: unbekannte Nummern prüfen oder stummschalten, verpasste Anrufe in Listen sortieren und einzelne Nummern blockieren.
iPhone: unbekannte Nummern prüfen und Spam filtern
- Öffne Einstellungen › Apps › Telefon.
- Wähle unter «Unbekannte Nummern überprüfen» eine Option: «Nie» lässt alle Anrufe normal klingeln, «Nach Grund des Anrufs fragen» fragt Anrufende vor dem Klingeln nach ihrem Anliegen, «Stummschalten» leitet die Anrufe direkt auf die Voicemail.
- Scrolle zum Abschnitt «Anruffilterung» und aktiviere «Unbekannte Nummern» sowie den Spamfilter.
- Verpasste Anrufe und Voicemails von unbekannten Nummern sowie Spam findest du danach in der Telefon-App über die Filter-Taste in eigenen Listen.
Menüpfad laut Herstellerhilfe, je nach Gerät und Version sind Abweichungen möglich: support.apple.com
Gut zu wissen: Vor iOS 17 muss für die Anrufprüfung zusätzlich Live-Voicemail aktiviert sein. Nach einem Notruf ist die Anrufprüfung 24 Stunden lang deaktiviert. Beim Roaming werden Anrufe unabhängig von den Einstellungen nicht geprüft.
iPhone: eine einzelne Nummer blockieren
- Tippe in der Telefon-App auf «Anrufliste» und dann auf die Nummer oder den Kontakt; in der klassischen Ansicht tippst du auf die Info-Taste.
- Scrolle nach unten und tippe auf «Anrufer:in blockieren».
- Blockierte Nummern verwaltest du unter iOS 26 in Einstellungen › Datenschutz & Sicherheit › Blockierte Kontakte.
Menüpfad laut Herstellerhilfe, je nach Gerät und Version sind Abweichungen möglich: support.apple.com
Eine blockierte Nummer kann dir weiterhin eine Voicemail hinterlassen, du bekommst aber keine Mitteilung dazu. Kommen die Anrufe ständig von neuen Nummern, bringt Blockieren wenig; die Filter oben wirken breiter.
Wie stellst du den Filter auf einem Android-Handy ein?
Viele Android-Handys nutzen die Telefon-App von Google. Dort ist die Anrufer-ID mit Spamschutz laut Google standardmässig eingeschaltet. «Spamanrufe herausfiltern» ist eine zusätzliche, optionale Einstellung.
Android: Telefon-App von Google
- Öffne die Telefon-App und tippe auf das Dreipunkt-Menü.
- Wähle Einstellungen › Anrufer-ID und Spam.
- Prüfe, ob «Anrufer- und Spam-ID anzeigen» eingeschaltet ist.
- Aktiviere «Spamanrufe herausfiltern», damit mutmassliche Spamanrufe blockiert werden.
- Um eine Nummer zu melden, tippe unten auf «Startseite», dann auf den Anruf und auf «Blockieren/Spam melden».
Menüpfad laut Herstellerhilfe, je nach Gerät und Version sind Abweichungen möglich: support.google.com
Gefilterte Anrufe lösen keine Benachrichtigung über verpasste Anrufe aus, stehen aber in der Anrufliste, und die Mailbox bleibt abrufbar. Wurde ein erwünschter Anruf fälschlich als Spam markiert, tippst du ihn an und wählst «Kein Spam».
Einige Schritte funktionieren laut Google erst ab Android 6.0. Auf Geräten mit automatischem Anruf-Filter fehlt «Spamanrufe herausfiltern», weil das Blockieren von Spam dort zum Anruf-Filter gehört. Nutzt dein Handy eine andere Telefon-App, hilft die Anleitung des Geräteherstellers.
Tipp: Willst du zusätzlich eine App zum Blockieren von Anrufen installieren, prüfe vorher, wer sie anbietet und welche Berechtigungen sie verlangt. Wie das geht, zeigt Eine App installieren: den richtigen Anbieter finden.
Was filtert dein Anbieter schon im Netz?
Einiges passiert, bevor ein Anruf dein Handy erreicht. Die Regeln unterscheiden sich je nach Land.
Deutschland
Seit dem 1. Dezember 2022 gilt: Kommt ein Anruf aus einem ausländischen Netz und zeigt eine deutsche Nummer, muss die Nummernanzeige unterdrückt werden. Auf dem Display steht dann etwa «unbekannte Nummer» oder «anonym». Ausnahme: Deutsche Mobilfunknummern dürfen weiter erscheinen, wenn deutsche Kundinnen und Kunden aus dem Ausland anrufen. Anrufe, die als Absender etwa 110, 112 oder eine 0900-Nummer zeigen, müssen abgebrochen werden. Einige Netzbetreiber bieten zudem Sperren für ganze Nummerngruppen oder einzelne Nummern an.
Österreich
Die Anti-Spoofing-Verordnung der RTR ist im Mobilfunk seit dem 1. September 2024 umgesetzt, für Festnetz- und andere nicht mobile Nummern gilt sie spätestens ab dem 31. Dezember 2024. Österreichische Betreiber müssen Anrufe aus dem Ausland, die eine österreichische Nummer zeigen, verifizieren. Ist das nicht möglich, wird die Nummer am Display unterdrückt. Im August 2024 sah die RTR erste Anzeichen, dass Betrugsanrufe mit deutschen Nummern (+49) zunehmen.
Schweiz
Seit dem 1. Juli 2021 müssen Schweizer Fernmeldedienstanbieterinnen ihre Kundschaft vor unlauterer Werbung schützen, soweit es der Stand der Technik zulässt (Art. 83 der Verordnung über Fernmeldedienste). In der Regel ist das ein Filter. Laut BAKOM musst du ihn selbst aktivieren, sofern der Anbieter ihn nicht standardmässig aufgeschaltet hat. Ein- und ausschalten muss jederzeit kostenlos möglich sein. Jede Anbieterin betreibt ausserdem eine Meldestelle für unlautere Werbung. Frag nach, wie der Filter funktioniert und ob er bei dir schon läuft.
Wann sind Werbeanrufe überhaupt erlaubt?
In Deutschland braucht ein Unternehmen deine vorherige ausdrückliche Einwilligung, bevor es dich zu Werbezwecken anruft. Du kannst sie mündlich oder schriftlich geben und jederzeit formlos und ohne Begründung widerrufen. Das Unternehmen muss die Einwilligung dokumentieren. Werbeanrufe mit unterdrückter oder manipulierter Nummer sind verboten. Für unerlaubte Werbeanrufe kann die Bundesnetzagentur Bussgelder bis 300 000 Euro verhängen.
In der Schweiz ist Telefonmarketing grundsätzlich erlaubt. Firmen, bei denen du Kundin oder Kunde bist oder denen du dein Einverständnis gegeben hast, dürfen dich anrufen. Dritte dürfen dich aber nicht zu Werbezwecken anrufen, wenn dein Eintrag im Telefonverzeichnis einen Stern (*) trägt. Seit dem 1. Januar 2021 sind auch Nummern ohne Verzeichniseintrag geschützt. Den Stern beantragst du bei deiner Telefonanbieterin.
Ob ein Anruf im Einzelfall erlaubt war, klären die zuständigen Behörden oder eine Rechtsberatung.
Tipp: Sag am Telefon ruhig: «Ich widerrufe jede Einwilligung, bitte löschen Sie meine Nummer.» Zu Beweiszwecken rät die Bundesnetzagentur, den Widerruf schriftlich oder per E-Mail zu schicken. Notiere ausserdem Datum, Uhrzeit und angezeigte Nummer; das hilft bei einer späteren Beschwerde.
Wo meldest du lästige oder gefälschte Nummern?
Eine Meldung stoppt den einzelnen Anruf nicht, hilft den Behörden aber, Beschwerden zu bündeln und gegen Verursacher vorzugehen. Melde möglichst bald: Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass Verkehrsdaten in der Regel nach sieben Tagen gelöscht werden.
| Land | Zuständige Stelle | Wofür | Gut zu wissen |
|---|---|---|---|
| Deutschland | Bundesnetzagentur | Online-Beschwerdeformular zu unerlaubter Telefonwerbung; eigenes Formular «Rufnummernmanipulation» für gefälschte Nummern | Für eine Manipulationsmeldung brauchst du deine Nummer, die angezeigte Nummer, deinen Anbieter, Datum und Uhrzeit. Anrufe ohne angezeigte Nummer werden nicht verfolgt |
| Österreich | RTR, Meldestelle Rufnummernmissbrauch | Meldeformular für belästigende Anrufe und SMS von unbekannten Nummern | Auch den Missbrauch deiner eigenen Nummer kannst du dort melden |
| Schweiz | SECO; Meldestelle deiner Fernmeldedienstanbieterin | Online-Beschwerde zu unlauteren Geschäftspraktiken beim SECO; Meldungen zu unlauterer Werbung bei der Anbieterin | Das SECO kann keine Nummern sperren. Es wird aktiv, wenn Kollektivinteressen betroffen sind, also viele Personen |
Gibt sich jemand am Telefon als Polizei aus oder verlangt Geld, ist zusätzlich die Polizei die richtige Stelle. Sichere vorher das Anrufprotokoll, zum Beispiel per Screenshot der Anrufliste von Handy oder Router. Wie du in solchen Gesprächen ruhig bleibst, zeigt Angebliche Polizei am Telefon: mit Druck und Geheimhaltung umgehen. Hast du bereits Geld überwiesen, hilft Geld an Betrüger überwiesen: erste Schritte mit Bank und Polizei.
Ein Beispiel: Reto bekommt wieder Ruhe am Telefon
Fiktives Beispiel: Reto aus Luzern bekommt mehrmals pro Woche Anrufe von unbekannten Nummern: ein Weinangebot, ein angebliches Gewinnspiel, einmal ein angeblicher Mitarbeiter seiner Bank. Gleichzeitig wartet er auf Rückrufe der Physiotherapie und der Schule seiner Tochter.
Zuerst speichert er diese Nummern als Kontakte. Dann stellt er am iPhone «Unbekannte Nummern überprüfen» auf «Nach Grund des Anrufs fragen» und schaltet den Spamfilter ein. Im Kundenkonto seiner Anbieterin aktiviert er den Werbefilter. Seine Nummer steht in keinem Telefonverzeichnis und ist damit gleich geschützt wie ein Eintrag mit Stern. Als der Weinhändler trotzdem mehrmals anruft, notiert Reto Datum, Uhrzeit und Firmenname und reicht beim SECO eine Beschwerde ein.
Den angeblichen Bankanruf beendet Reto und ruft seine Bank über die Nummer auf seiner Karte an, wie in Unerwarteter Bankanruf: unabhängig prüfen, bevor du etwas freigibst beschrieben. Nach zwei Wochen klingelt sein Handy deutlich seltener, und Reto entscheidet in Ruhe, wann er abnimmt.
Häufige Fehler
- Den strengsten Filter einschalten, ohne vorher Arztpraxis, Schule oder Pflegedienst als Kontakte zu speichern.
- Eine angezeigte Nummer für echt halten, nur weil sie aus dem eigenen Land oder von einer bekannten Firma zu kommen scheint.
- Unbekannte Nummern reflexartig zurückrufen: Bei gefälschten Nummern erreichst du womöglich eine unbeteiligte Person.
- Nur einzelne Nummern blockieren, obwohl die Anrufe ständig von neuen Nummern kommen.
- Mit der Meldung so lange warten, bis die Verbindungsdaten beim Anbieter schon gelöscht sind.
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Häufige Fragen
Kann ich Spam-Anrufe ganz abstellen?
Nein, ganz verhindern lassen sie sich nicht. Filter im Handy und im Netz senken die Zahl, aber Anrufende wechseln oder fälschen Nummern. Das SECO hält fest, dass es keinen vollständigen Schutz gibt. Am meisten bringt die Kombination: Kontakte pflegen, Filter im Handy einschalten, beim Anbieter nach Filtern oder Sperren fragen und hartnäckige Anrufe melden.
Verpasse ich mit dem Filter wichtige Anrufe?
Das kann passieren, wenn die Nummer nicht in deinen Kontakten steht. Speichere deshalb zuerst Arztpraxis, Schule, Arbeitgeber und Familie. Am iPhone landen gefilterte Anrufe in eigenen Listen, auf Android in der Anrufliste, und die Mailbox bleibt erreichbar. Schau diese Listen anfangs täglich durch. Erwartest du einen Anruf von einer neuen Nummer, etwa von einer Handwerkerin, kannst du den Filter vorübergehend lockern.
Soll ich eine unbekannte Nummer zurückrufen?
Nur, wenn du die Nummer zuordnen kannst und einen Grund dazu hast. Angezeigte Nummern können gefälscht sein. Ein Rückruf erreicht dann womöglich eine unbeteiligte Person, deren Nummer missbraucht wurde. Gibt sich jemand als Bank, Behörde oder Polizei aus, suchst du die Nummer selbst heraus, etwa auf deiner Bankkarte oder der offiziellen Website, und rufst dort an.
Quellen und weiterführende Informationen
Primärquellen von Behörden, Verbraucherschutz und Anbietern. Eine Quelle kann in einer anderen Sprache vorliegen; massgeblich sind die Hinweise für deinen Dienst und deinen Wohnort.
- Apple Support: Unbekannte Anrufer auf dem iPhone verwaltenQuellenstand:
- Apple Support: Rufnummern, Kontakte und E-Mail-Adressen auf dem iPhone oder iPad blockierenQuellenstand:
- Google Telefon-App-Hilfe: Anrufer-ID und Spamschutz verwendenQuellenstand:
- Bundesnetzagentur: Unerlaubte TelefonwerbungQuellenstand:
- Bundesnetzagentur: Manipulation von RufnummernQuellenstand:
- RTR: Anti-Spoofing-Verordnung gegen Anrufe mit geklauten TelefonnummernQuellenstand:
- RTR: Meldestelle Rufnummernmissbrauch, Beschwerde und MeldungQuellenstand:
- SECO: Unerbetene WerbeanrufeQuellenstand:
- BAKOM: Ruhe vor unerbetenen WerbeanrufenQuellenstand:
- BAKOM: Verordnung über Fernmeldedienste (FDV), Änderung vom 18. November 2020Quellenstand:



