Wie sieht das im Alltag aus?
Fiktives Beispiel: Miriam aus Graz vermietet eine kleine Ferienwohnung im Salzkammergut. Nach einem Ausflug an den See will sie ein Foto für ihre Grossmutter ausdrucken. Am Ufer steht ein gelber Bagger, am Bildrand ist ein fremdes Paar zu sehen. Mit dem KI-Radierer ihrer Foto-App verschwindet der Bagger in Sekunden. Sie speichert das Ergebnis als Kopie, das Original bleibt im Album.
Für die Website der Ferienwohnung hätte sie gern dasselbe gemacht, denn auch dort ist eine Baustelle im Ausblick zu sehen. Hier lässt sie es: Gäste buchen nach dem Bild, und ein retuschierter Ausblick würde etwas versprechen, das es nicht gibt. Sie zeigt das echte Foto und erwähnt die Bauarbeiten in der Beschreibung. Das fremde Paar auf dem privaten Bild entfernt sie nicht, sondern macht die Gesichter unkenntlich.
Welche KI-Bearbeitungen verändern die Aussage eines Fotos?
Foto-Apps bieten zwei Arten von KI-Werkzeugen. Die einen verbessern, was schon im Bild ist, etwa Licht, Farbe oder rote Augen. Die anderen erzeugen neue Bildteile: Sie füllen die Lücke eines entfernten Objekts, erweitern Ränder oder setzen nach einer Textanweisung etwas ein.
Die EU-Kommission hat am 20. Juli 2026 Leitlinien zu den Transparenzregeln der KI-Verordnung vorgelegt. Sie sind rechtlich nicht verbindlich, ziehen aber eine brauchbare Grenze: Entscheidend ist, ob eine Bearbeitung den Inhalt oder seine Bedeutung wesentlich verändert.
| Bearbeitung | Beispiel | Aussage verändert? | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Licht und Farbe leicht korrigieren, Rauschen entfernen | Abendfoto aufhellen | Nein, Standardbearbeitung | Nicht nötig |
| Rote Augen entfernen, leicht zuschneiden | Blitzfoto vom Familienfest | Nein | Nicht nötig |
| Hintergrund an den Rändern erweitern | Bild für einen Abzug im Querformat erweitern | Meist nein, je nach Zusammenhang | In der Regel nicht nötig |
| Gesichter verpixeln oder unscharf machen | Fremde am Bildrand | Nein | Nicht nötig |
| Personen oder Gegenstände entfernen, ersetzen oder einfügen | Baustelle aus dem Ausblick löschen | Ja, wenn sich Sinn oder Inhalt ändert | Empfohlen, geschäftlich kann er Pflicht sein |
| Gesicht austauschen, Körperform oder Hautfarbe ändern | Figur im Strandfoto schlanker machen | Ja | Empfohlen, geschäftlich kann er Pflicht sein |
Diese Grenze betrifft zuerst die Hersteller: Ihre Werkzeuge müssen Ergebnisse maschinenlesbar markieren, ausser bei unterstützender Standardbearbeitung. Für dich gilt als Faustregel: Je stärker sich ändert, was das Bild über die Wirklichkeit aussagt, desto eher gehört ein Hinweis dazu.
Wie bearbeitest du ein Foto, ohne das Original zu verlieren?
Die Schritte stammen aus der Hilfe von Google und Apple. Je nach App-Version und Android-Gerät können Bezeichnungen abweichen.
Android: Google Fotos, Magischer Radierer
- Öffne das Foto in Google Fotos und tippe unten auf «Bearbeiten» und dann auf «Suchen».
- Gib «Magischer Radierer» ein.
- Tippe auf den Bereich, den du entfernen willst, kreise ihn ein oder wische darüber.
- Tippe auf «Löschen» und danach auf «Fertig».
- Wähle «Als Kopie speichern»: So entsteht ein neues Foto, und das Original bleibt unverändert.
Menüpfad laut Herstellerhilfe, je nach Gerät und Version sind Abweichungen möglich: support.google.com
Mac: Fotos, Bereinigen
- Öffne die App Fotos, doppelklicke auf ein Foto und klicke in der Symbolleiste auf «Bearbeiten».
- Klicke auf «Werkzeuge» und dann auf «Bereinigen».
- Klicke unter «Löschen» auf den Pinsel und stelle bei Bedarf mit dem Regler «Grösse» die Pinselgrösse ein.
- Klicke auf das störende Objekt, übermale oder umkreise es.
- Klicke am Ende auf «Fertig».
Menüpfad laut Herstellerhilfe, je nach Gerät und Version sind Abweichungen möglich: support.apple.com
Hast du das Original doch überschrieben, tippst du in Google Fotos auf «Bearbeiten» und dann auf «Wiederherstellen». Eine gespeicherte Kopie lässt sich laut Google nicht zurücksetzen. Bewahre das unbearbeitete Bild auch in deiner Sicherung auf; Hilfe dazu bietet Wo sind deine Familienfotos? Eine Übersicht vor dem Aufräumen.
Auf dem iPhone heisst die Funktion ebenfalls «Bereinigen» und setzt Apple Intelligence voraus. Apples Hilfeseite vom April 2025 nennt dafür das iPhone 15 Pro, das iPhone 15 Pro Max und die iPhone-16-Modelle; in der EU ist iOS 18.4 oder neuer nötig.
Tipp: Fremde musst du nicht wegretuschieren: Fährst du in «Bereinigen» mit dem Pinsel über ein Gesicht, kann Fotos es laut Apple verpixeln. Vor dem Teilen hilft Gruppenfoto teilen: vor dem Wechsel der Öffentlichkeit fragen.
Wo stossen KI-Werkzeuge an Grenzen?
- Gerät: Google Fotos braucht für die meisten Funktionen Android 8.0 oder neuer und mindestens 3 GB Arbeitsspeicher.
- Konto, Alter und Land: Bearbeiten per Textanweisung mit «Frag Google Fotos» setzt ein privates Google-Konto und ein Alter ab 18 Jahren voraus und ist nicht in allen Ländern verfügbar. Schul- und Workspace-Konten sind ausgeschlossen.
- Sprache und Region: «Bereinigen» braucht Apple Intelligence, das laut Apple nicht in allen Sprachen und Regionen verfügbar ist; zudem können Nutzungsbeschränkungen gelten.
- Erfundene Details: Was die KI an die leere Stelle setzt, ist berechnet, nicht fotografiert. Prüfe Kanten, Schriften und Spiegelungen in der vergrösserten Ansicht.
- Keine Videos: Mit den Bearbeitungswerkzeugen von Apple Fotos lassen sich keine Videos retuschieren.
Für manche Zwecke sind KI-bearbeitete Bilder ungeeignet: Schadenfotos für die Versicherung, Belege für eine Reklamation oder Fotos in einem Verkaufsinserat sollen zeigen, was wirklich ist. Die EU-Leitlinien nennen ein KI-Produktbild in Werbung oder auf einer Verpackung, das das Produkt falsch darstellt, ausdrücklich als Beispiel für einen Deepfake.
Wann solltest du eine Veränderung kenntlich machen?
Artikel 50 der KI-Verordnung verteilt die Transparenzpflichten auf zwei Rollen: Die Anbieter der Werkzeuge müssen KI-Ergebnisse maschinenlesbar markieren. Wer ein Werkzeug in eigener Verantwortung einsetzt, ist Betreiber und muss seit dem 2. August 2026 Deepfakes offenlegen.
Ein Deepfake ist ein KI-erzeugter oder KI-veränderter Bild-, Ton- oder Videoinhalt, der wirklichen Personen, Gegenständen, Orten, Einrichtungen oder Ereignissen ähnelt und fälschlich als echt erscheinen würde. Eine Täuschungsabsicht ist laut EU-Leitlinien nicht nötig. Farbkorrektur oder Rauschunterdrückung machen ein Foto laut der österreichischen RTR in der Regel nicht zum Deepfake.
Privat oder geschäftlich?
Nutzt du KI ausschliesslich für persönliche, nicht berufliche Zwecke, gelten die Betreiberpflichten nicht. Das umfasst laut EU-Leitlinien auch Deepfakes, die du als Privatperson in sozialen Netzwerken teilst. Beruflich ist jede Tätigkeit, die regelmässig wirtschaftlichen Nutzen bringt, etwa ein Webshop, eine Ferienwohnung oder bezahlte Beiträge.
Ist ein Bild dann ein Deepfake, muss der Hinweis klar und ohne Hilfsmittel erkennbar sein, spätestens wenn jemand es zum ersten Mal sieht. Die unsichtbare Markierung des Herstellers genügt laut EU-Leitlinien nicht. Der freiwillige EU-Verhaltenskodex, den die Bundesnetzagentur erläutert, sieht dafür ein EU-Symbol mit dem Kürzel «AI» oder ein gleichwertiges Symbol vor. Für offensichtlich künstlerische, satirische oder fiktionale Werke gilt eine leichtere Pflicht.
Auch ohne Pflicht: kurz sagen, was geändert wurde
Ändert sich die Aussage eines Bilds, ist ein kurzer Satz auch privat fair, etwa «Person mit KI entfernt». Plattformen haben eigene Regeln: YouTube verlangt einen Hinweis bei realistisch wirkenden Inhalten, die mit KI erzeugt oder stark verändert wurden, nicht aber für Beauty-Filter, Farbanpassungen oder Hintergrundunschärfe. Du setzt ihn in YouTube Studio im Abschnitt «Attribute» unter «KI-Nutzung».
Was verrät die Bilddatei über die KI-Bearbeitung?
Manche Apps vermerken eine KI-Bearbeitung in der Datei. Google Fotos zeigt solche Angaben im Bereich «Wie wurden diese Inhalte erstellt?», etwa «Mit KI-Tools bearbeitet» nach dem Magischen Radierer oder «Mit Tools ohne KI-Funktionen bearbeitet» nach Zuschneiden und Drehen. Grundlage sind sogenannte Content Credentials nach dem Standard C2PA.
Google Fotos (Android und iPhone): Herkunftsangaben ansehen
- Öffne Google Fotos und wähle das Foto aus.
- Tippe auf das Dreipunkt-Menü und dann auf «Info».
- Scrolle zu «Wie wurden diese Inhalte erstellt?».
Menüpfad laut Herstellerhilfe, je nach Gerät und Version sind Abweichungen möglich: support.google.com
Ein solcher Vermerk ersetzt keinen sichtbaren Hinweis. Laut Google tragen nicht alle Fotos diese Angaben, die Webversion von Google Fotos zeigt sie nicht an, und sie sagen nichts darüber, ob ein Foto echt oder gefälscht ist. Was Hinweise und Wasserzeichen beim Betrachten bedeuten, erklärt KI-Kennzeichnung verstehen: Hinweise, Wasserzeichen, Herkunft.
Was gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
In Deutschland und Österreich gilt die KI-Verordnung direkt. Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, dort gilt sie nicht automatisch. Die Regeln der Plattformen gelten überall.
| Land | Rechtslage | Information | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Deutschland | KI-Verordnung gilt direkt, Transparenzpflichten seit 2. August 2026 | Bundesnetzagentur mit Praxisleitfaden und KI-Service-Desk | Freiwilliger Verhaltenskodex sieht für Deepfakes ein EU-Symbol «AI» oder ein gleichwertiges Symbol vor |
| Österreich | KI-Verordnung gilt direkt, Transparenzpflichten im Wesentlichen seit 2. August 2026 | KI-Servicestelle der RTR | RTR erklärt Deepfakes und die Ausnahme für private Nutzung |
| Schweiz | KI-Verordnung gilt nicht automatisch | Bundesrat (admin.ch) | Bundesrat will die KI-Konvention des Europarats ratifizieren und KI weiter in einzelnen Bereichen regeln (Entscheid vom 12. Februar 2025) |
Stellt ein verändertes Bild eine echte Person bloss oder schadet ihr, geht es um ihre Persönlichkeitsrechte. Den Einzelfall klärt eine Beratungsstelle oder eine Anwältin. Bist du selbst Ziel einer Fälschung, hilft Deepfake von dir im Netz: Beweise sichern, melden, löschen lassen.
Häufige Fehler
- Das KI-Ergebnis über das Original speichern.
- Eine Person aus einem Gruppenfoto entfernen und das Bild ohne Hinweis öffentlich teilen.
- Mängel, Kratzer oder eine Baustelle aus Inseratfotos retuschieren.
- Sich darauf verlassen, dass ein unsichtbarer KI-Vermerk in der Datei als Hinweis genügt.
- Die bearbeitete Stelle nur in der kleinen Vorschau prüfen.
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Häufige Fragen
Muss ich KI-bearbeitete Fotos in sozialen Netzwerken kennzeichnen?
Als Privatperson verlangt die KI-Verordnung keinen Hinweis von dir, laut EU-Leitlinien auch nicht für Deepfakes in sozialen Netzwerken. Plattformen können aber eigene Regeln haben; YouTube etwa verlangt einen Hinweis bei realistisch veränderten Inhalten. Nutzt du ein Konto beruflich oder verdienst damit regelmässig Geld, gelten die Betreiberpflichten. Ändert sich die Aussage des Bilds, ist ein kurzer Hinweis ohnehin fair.
Ist ein Foto nach dem Magischen Radierer oder «Bereinigen» schon ein Deepfake?
Nicht automatisch. Entscheidend ist das Ergebnis: Ähnelt das Bild echten Personen, Orten oder Ereignissen und würde es fälschlich als echt erscheinen, kann es ein Deepfake sein. Ein entfernter Abfalleimer im Ferienfoto ändert meist nichts an der Aussage. Die EU-Leitlinien nennen aber das Entfernen, Ersetzen oder Einfügen von Personen und Objekten, das Sinn oder Inhalt ändert, als wesentliche Veränderung.
Werden meine Fotos für die KI-Bearbeitung hochgeladen?
Das hängt von Funktion und Anbieter ab. Apple schreibt, dass einzelne serverbasierte Funktionen, darunter die intelligenten Werkzeuge zur Fotobearbeitung, täglichen Nutzungsgrenzen unterliegen. Bei Google Fotos werden manche Bearbeitungswerkzeuge zuerst aufs Gerät heruntergeladen. Lies vor der ersten Nutzung die Datenschutzhinweise der App, besonders bei Bildern mit anderen Personen.
Quellen und weiterführende Informationen
Primärquellen von Behörden, Verbraucherschutz und Anbietern. Eine Quelle kann in einer anderen Sprache vorliegen; massgeblich sind die Hinweise für deinen Dienst und deinen Wohnort.
- AI Act Service Desk (EU-Kommission): Artikel 50 KI-Verordnung, TransparenzpflichtenQuellenstand:
- EU-Kommission: Leitlinien zu den Transparenzpflichten nach Artikel 50 vom 20.7.2026 (Englisch)Quellenstand:
- Bundesnetzagentur: Praxisleitfaden für die Transparenz von KI-generierten InhaltenQuellenstand:
- RTR KI-Servicestelle (AT): Transparenzpflichten nach Artikel 50Quellenstand:
- Bundesrat (CH): Medienmitteilung vom 12. Februar 2025 zur Regulierung künstlicher IntelligenzQuellenstand:
- Google Fotos-Hilfe: Fotos bearbeiten (Android)Quellenstand:
- Google Fotos-Hilfe: Erkennen, wie Fotos und Videos erstellt wurdenQuellenstand:
- Apple Support: Ablenkungen und Unvollkommenheiten auf Fotos auf dem Mac entfernenQuellenstand:
- Apple Support: Voraussetzungen für «Bereinigen» in FotosQuellenstand:
- YouTube-Hilfe: Offenlegung von KI-generierten oder veränderten InhaltenQuellenstand:



