KI und Informationen einordnen

KI-Kennzeichnung verstehen: Hinweise, Wasserzeichen, Herkunft

Unter einem Foto steht «Mit KI erstellt», ein anderes trägt ein kleines Symbol, ein drittes hat gar keinen Hinweis. Seit dem 2. August 2026 gelten in der EU Transparenzregeln für KI-Inhalte. Hier erfährst du, was eine Kennzeichnung tatsächlich aussagt und wo ihre Grenzen liegen.

eu. infopoint · Mit KI-Unterstützung erstellt · Quellen geprüft am

Fotoabzug unter einer Lupe auf einem hell leuchtenden Leuchttisch, daneben ein Tablet, auf dessen Bildschirm ein unscharfes Bild zu sehen ist
KI-generiertes Bild; kein realer Vorfall und keine echte Benutzeroberfläche.
Für wen
Alle, die Bilder, Videos und Texte im Netz einordnen wollen
Zeitbedarf
10 Minuten
Schwierigkeit
leicht
Du brauchst
Den Beitrag oder das Bild, das du prüfen willst
Gilt für
DE, AT (EU-Recht); CH separat

Das Wichtigste zuerst

  • Ein KI-Hinweis sagt dir, wie ein Inhalt entstanden ist, nicht ob seine Aussage stimmt.
  • Ein fehlender Hinweis beweist keine Echtheit: Private Beiträge, Inhalte von vor dem 2. August 2026 und einige Ausnahmen sind nicht kennzeichnungspflichtig.
  • Prüfe bei wichtigen Bildern deshalb zusätzlich Quelle, Datum und Zusammenhang.

Wie sieht das im Alltag aus?

Fiktives Beispiel: Lena aus Innsbruck ist in einer Chatgruppe für Bergwanderungen. Am Abend tauchen zwei Bilder vom selben Bergsee auf. Das erste zeigt den See in leuchtendem Abendrot und trägt den Hinweis «Mit KI erstellt». Das zweite zeigt einen zerstörten Holzsteg und den Satz «Weg ab morgen gesperrt!», ohne jeden Hinweis.

Lena will die Warnung schon weiterleiten. Dann fällt ihr auf: Der fehlende Hinweis sagt nichts darüber, ob das Foto echt oder aktuell ist. Auf der Website der Gemeinde findet sie keine Sperrung. Die Person, die das Bild geteilt hat, hat es nach eigener Aussage «irgendwo gesehen». Lena leitet nichts weiter und fragt nach der ursprünglichen Quelle.

Welche KI-Inhalte müssen in der EU gekennzeichnet sein?

Die Regeln stehen in Artikel 50 der KI-Verordnung der EU (Verordnung 2024/1689). Sie unterscheiden zwei Rollen: Anbieter entwickeln ein KI-System und bringen es auf den Markt. Betreiber setzen es in eigener Verantwortung ein, etwa ein Unternehmen, eine Behörde oder eine Redaktion.

Kennzeichnungspflichten nach Artikel 50 (Stand 18.10.2026)
SituationPflicht fürWas verlangt wird
Du chattest mit einer KIAnbieterDu musst erkennen können, dass du mit einer KI sprichst, ausser es ist offensichtlich
KI erzeugt Bild, Ton, Video oder TextAnbieterMaschinenlesbare Markierung als KI-Inhalt
DeepfakeBetreiberKlarer Hinweis spätestens beim ersten Ansehen oder Anhören
KI-Text zu Themen von öffentlichem InteresseBetreiberKlarer Hinweis, ausser Menschen haben ihn geprüft oder redaktionell kontrolliert und jemand trägt die redaktionelle Verantwortung
Deepfake in einem erkennbar künstlerischen, satirischen oder fiktionalen WerkBetreiberNur ein Hinweis auf den KI-Inhalt, der das Werk nicht stört

Ein Deepfake ist laut Verordnung ein KI-erzeugter oder veränderter Bild-, Ton- oder Videoinhalt, der echten Personen, Gegenständen, Orten oder Ereignissen ähnelt und fälschlich echt wirken würde. Eine reine Rechtschreibprüfung gilt bei Texten nicht als menschliche Prüfung.

Wichtig für dich: Die Betreiberpflichten gelten nicht, wenn jemand KI rein privat nutzt. Teilt dein Onkel ein selbst erzeugtes Bild in der Familiengruppe, verlangt die KI-Verordnung von ihm keinen Hinweis. Wer mit Beiträgen regelmässig Geld verdient oder beruflich veröffentlicht, gilt dagegen als Betreiber.

Ab wann gilt was?

Zeitleiste der KI-Kennzeichnung in der EU
DatumWas gilt
1. August 2024Die KI-Verordnung tritt in Kraft.
2. August 2026Die Transparenzregeln nach Artikel 50 gelten.
2. Dezember 2026Ende der Übergangsfrist: Auch Generatoren, die schon vor dem 2. August 2026 auf dem Markt waren, müssen maschinenlesbar markieren.
2. Dezember 2026Verbot für KI-Systeme, die sexuelle Deepfakes ohne Einwilligung der gezeigten Person oder Missbrauchsdarstellungen von Kindern erzeugen.

Übergangsfrist und Verbot stammen aus der Verordnung (EU) 2026/1744 vom 8. Juli 2026, dem sogenannten KI-Omnibus. Inhalte, die vor dem 2. August 2026 entstanden sind, müssen nicht nachträglich gekennzeichnet werden.

Tipp: Fehlt bis Anfang Dezember 2026 eine maschinenlesbare Markierung, kann das schlicht an der Übergangsfrist liegen.

Was sagen Hinweis, Wasserzeichen und Herkunftsnachweis aus?

Die KI-Verordnung nennt als mögliche Techniken unter anderem Wasserzeichen, Metadaten, kryptografische Herkunftsnachweise und digitale Fingerabdrücke. Als Betrachterin oder Betrachter begegnen dir vor allem drei Arten.

Arten der Kennzeichnung und ihre Aussagekraft
ArtWas du siehstWas sie aussagtGrenze
Sichtbarer HinweisText wie «KI-generiert» oder ein SymbolKI war beteiligtSagt nichts über den Wahrheitsgehalt
Unsichtbares WasserzeichenNichts; ein Prüfwerkzeug liest es ausEin KI-Programm hat den Inhalt erzeugt oder verändertNur wenn markiert wurde und ein Prüfwerkzeug verfügbar ist
HerkunftsnachweisTeils ein Symbol «Cr», das Angaben öffnetEntstehung und BearbeitungsverlaufFehlt er, beweist das keine Fälschung

Ein Standard für Herkunftsnachweise heisst Content Credentials; die Spezifikation ist ein Projekt der Coalition for Content Provenance and Authenticity (C2PA). Ein kleines Symbol, der sogenannte Pin, zeigt an, dass Herkunftsangaben vorhanden sind, etwa zur Entstehung und zum Bearbeitungsverlauf. Ausserdem gibt es einen freiwilligen Verhaltenskodex zur Markierung und Kennzeichnung, den EU-Kommission und KI-Gremium als geeignet bewertet haben, und die EU-Kommission hat lizenzfreie Symbole erstellt, mit denen Betreiber KI-Inhalte kennzeichnen können. Ein bestimmtes Symbol schreibt die KI-Verordnung aber nicht vor.

Wo liegen die Grenzen der Kennzeichnung?

  • Kein Faktencheck: Ein echtes Foto kann irreführend beschriftet sein, ein KI-Bild eine harmlose Illustration.
  • Kein Echtheitsbeweis: Private Nutzung, ältere Inhalte und blosse Standardbearbeitungen fallen nicht unter die Pflichten.
  • Technische Grenzen: Die Verordnung verlangt zuverlässige und robuste Markierungen, aber nur, soweit das technisch machbar ist.
  • Absicht: Die Initiative hinter Content Credentials hält selbst fest, dass es weiterhin Leute geben wird, die KI-Inhalte als echt ausgeben wollen.
  • Ausserhalb der EU gelten die Pflichten nicht automatisch, etwa in der Schweiz.

Nutze den Hinweis deshalb als einen Baustein unter mehreren. Bei aufwühlenden Videos hilft der Ratgeber Ein Video wirkt echt: Herkunft und Zusammenhang zuerst prüfen. Taucht ein altes Bild mit neuer Aufregung auf, lies Alter Beitrag, neue Aufregung: Datum und Kontext prüfen.

Was gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

In Deutschland und Österreich gilt die KI-Verordnung direkt. Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, dort gilt sie nicht automatisch. Der Bundesrat hat sich am 12. Februar 2025 dafür ausgesprochen, die KI-Konvention des Europarats zu ratifizieren, das Schweizer Recht dafür anzupassen und KI weiterhin in einzelnen Bereichen wie Gesundheit oder Verkehr zu regeln.

Länderbox: Rechtslage und Anlaufstellen (Stand 18.10.2026)
LandRechtslageAnlaufstelle
DEKI-Verordnung gilt direktBundesnetzagentur mit KI-Service Desk, vor allem für Unternehmen und Organisationen
ATKI-Verordnung gilt direktKI-Servicestelle der RTR mit Informationen und Kontakt für die Öffentlichkeit
CHGilt nicht automatisch; der Bundesrat will die KI-Konvention des Europarats ratifizierenInformationen des Bundesrats auf admin.ch
EUAuslegung der VerordnungAI Act Service Desk der EU-Kommission

Tipp: Zeigt ein Deepfake dich selbst, findest du die Schritte zum Sichern, Melden und Löschenlassen im Ratgeber Deepfake von dir im Netz.

Häufige Fehler

  • «Kein Hinweis, also echt» denken: Viele Inhalte müssen gar nicht gekennzeichnet sein.
  • Einen KI-Hinweis als Urteil lesen: Er beschreibt die Entstehung, nicht den Wahrheitsgehalt.
  • Nur auf Bilddetails achten: Quelle, Datum und Zusammenhang sagen meist mehr als ein seltsamer Schatten.
  • Ein einheitliches Symbol erwarten: Hinweise sehen je nach Plattform anders aus.
  • Eigene, echt wirkende KI-Bilder ohne Hinweis teilen: Ein kurzer Satz verhindert Missverständnisse.

Deine Checkliste

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Häufige Fragen

Muss jedes KI-Bild gekennzeichnet sein?

Nein. Anbieter von KI-Programmen müssen erzeugte Bilder seit dem 2. August 2026 maschinenlesbar markieren; für Programme, die schon vorher auf dem Markt waren, gilt eine Frist bis 2. Dezember 2026. Einen sichtbaren Hinweis verlangt die KI-Verordnung vor allem bei Deepfakes, die Betreiber veröffentlichen. Wer KI rein privat nutzt, hat diese Pflicht nicht. Plattformen können zusätzlich eigene Regeln haben.

Gilt die Kennzeichnungspflicht auch in der Schweiz?

Nicht automatisch, denn die Schweiz ist kein EU-Mitglied. Der Bundesrat hat sich am 12. Februar 2025 dafür ausgesprochen, die KI-Konvention des Europarats zu ratifizieren und KI in einzelnen Bereichen zu regeln. Bietet ein Schweizer Unternehmen ein KI-System in der EU an oder werden dessen Ergebnisse dort genutzt, muss es die EU-Verordnung trotzdem einhalten.

Kann ich selbst prüfen, ob ein Bild ein Wasserzeichen hat?

Teilweise. Sichtbare Hinweise und Herkunftsangaben mit dem Symbol «Cr» kannst du direkt ansehen. Unsichtbare Wasserzeichen liest nur ein passendes Prüfwerkzeug aus; die KI-Verordnung verlangt von den Anbietern, dass ihre Markierungen erkennbar sind. Ein negatives Ergebnis heisst aber nicht, dass ein Bild echt ist. Prüfe deshalb immer auch Quelle, Datum und Zusammenhang.

Quellen und weiterführende Informationen

Primärquellen von Behörden, Verbraucherschutz und Anbietern. Eine Quelle kann in einer anderen Sprache vorliegen; massgeblich sind die Hinweise für deinen Dienst und deinen Wohnort.

  1. AI Act Service Desk (EU-Kommission): Zeitplan für die Umsetzung des KI-GesetzesQuellenstand:
  2. EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 2, 3, 50 und Erwägungsgrund 133Quellenstand:
  3. RTR KI-Servicestelle (AT): Transparenzpflichten nach Artikel 50Quellenstand:
  4. EU-Kommission: Fragen und Antworten zu den Transparenzpflichten nach Artikel 50 (Englisch)Quellenstand:
  5. EUR-Lex: Verordnung (EU) 2026/1744, KI-Omnibus (Englisch)Quellenstand:
  6. Bundesrat (CH): KI-Regulierung, Bundesrat will Konvention des Europarats ratifizierenQuellenstand:
  7. Content Credentials (C2PA): Herkunftsnachweise für digitale Inhalte (Englisch)Quellenstand:
  8. AI Act Service Desk: Nationale Anlaufstellen, darunter Bundesnetzagentur und RTR (Englisch)Quellenstand: