Was ist Matter, und was kann es nicht?
Matter ist ein offener Smart-Home-Standard der Connectivity Standards Alliance (CSA), eines Verbands von Unternehmen. Er legt fest, wie Geräte verschiedener Marken miteinander sprechen. Laut CSA unterstützen die meisten grossen Smart-Home-Plattformen Matter; du musst deine bisherige App also meist nicht aufgeben.
Matter ist selbst kein Funkstandard. Es nutzt bestehende Netze: Bluetooth Low Energy für die Einrichtung sowie WLAN, Thread oder Ethernet für den laufenden Betrieb. Die Steuerung läuft lokal in deinem Heimnetz. Die CSA gibt an, dass Matter-Daten verschlüsselt übertragen werden und jedes Gerät eine eindeutige Identität hat.
Matter ersetzt deine bisherige Plattform nicht, sondern verbindet Geräte mit ihr. Wie gut deine Daten geschützt sind, hängt laut CSA weiterhin auch vom Gerätehersteller und vom Plattformanbieter ab. Ein Logo allein sagt also nichts darüber, welche Daten eine App sammelt.
Diese Gerätearten nennt die CSA unter anderem:
- Licht und Elektrik, etwa Lampen, Schalter und Zwischenstecker
- Türschlösser
- Heizung, Lüftung und Klima
- Sicherheits- und Gefahrensensoren
- Rollläden, Jalousien und Vorhänge
- Mediengeräte sowie Bridges und Steuerzentralen
Tipp: Nur zertifizierte Geräte tragen laut CSA das Matter-Logo. Achte auf der Verpackung auf dieses Zeichen statt auf Werbebegriffe wie «funktioniert mit» oder «kompatibel».
Welcher Funkweg bringt dir was?
Für den Start zählt vor allem eine Frage: Was brauchst du zusätzlich, damit ein Gerät läuft? Die Tabelle fasst die Angaben der Standardverbände und des BSI zusammen.
| Verbindung | Rolle bei Matter | Was du zusätzlich brauchst | Gut zu wissen |
|---|---|---|---|
| WLAN | Laufender Betrieb, für Anwendungen mit viel Datenverkehr | Deinen WLAN-Router | Das Gerät hängt direkt im Heimnetz; ein eigenes WLAN für smarte Geräte trennt es von deinem Computer. |
| Thread | Laufender Betrieb, für Geräte mit wenig Datenverkehr wie Türschlösser und Bewegungsmelder | Einen Thread-Border-Router | Stromsparendes Mesh-Netz; Batteriesensoren können laut Thread Group jahrelang laufen. Fällt ein Gerät aus, suchen die Daten einen anderen Weg. |
| Ethernet | Laufender Betrieb per Kabel | Einen freien LAN-Anschluss | Netzwerkbuchsen sollten laut BSI für Fremde nicht frei zugänglich sein. |
| Bluetooth LE | Nur Einrichtung | Smartphone oder Steuerzentrale mit Bluetooth | Nach der Einrichtung übernimmt WLAN, Thread oder Ethernet. |
| Zigbee | Kein Matter-Funkweg | Eine Bridge, die Zigbee-Geräte ins Matter-System holt | Zigbee-Geräte sprechen nicht direkt mit Matter-Geräten. |
Ein Mesh-Netz bedeutet: Geräte reichen Daten untereinander weiter, statt alle direkt mit einer Zentrale zu sprechen. Thread verbindet seine Geräte über einen Border Router mit dem übrigen Netz. Laut Thread Group ist das eine Funktion und kein eigenes Gerät: Hersteller können sie in andere Produkte einbauen, und es gibt zum Beispiel WLAN-Router mit eingebautem Thread. Laut Thread Group kannst du weitere Border Router zum selben Netz hinzufügen.
Welche Steuerzentrale brauchst du?
Die Steuerzentrale, auch Controller oder Hub genannt, ist das Gerät, mit dem du Geräte einrichtest, Abläufe anlegst und Befehle gibst. Laut CSA bieten die meisten Controller dafür eine App oder eine Weboberfläche. Willst du Matter-Geräte von unterwegs bedienen, braucht es zu Hause einen Controller mit Internetzugang, etwa einen smarten Lautsprecher oder einen Hub. Manche Matter-Geräte haben laut CSA zusätzlich eine direkte Verbindung ins Internet.
Das BSI rät, das Smart Home nur dann mit dem Internet zu verbinden, wenn ein Fernzugriff wirklich nötig ist. Zeitpläne und Szenen, etwa für Rollläden oder Licht, lassen sich auch lokal hinterlegen. Manche Zentralen können die Verbindung ins Internet sogar ganz unterbinden.
Fünf Fragen vor der Wahl
- Welche App oder welchen Sprachassistenten nutzt dein Haushalt schon? Wer bereits einen KI-Assistenten hat, findet Hinweise zu Kosten und Daten im Ratgeber KI-Sprachassistent zu Hause.
- Brauchst du Fernzugriff, oder genügt die Steuerung zu Hause?
- Sollen Thread-Geräte dazukommen? Dann prüfe in den Produktangaben deiner Zentrale, ob sie als Thread-Border-Router arbeitet.
- Hast du schon Zigbee-Geräte? Dann kläre, ob deine Bridge Matter unterstützt oder ein Update dafür angekündigt ist.
- Sollen mehrere Personen mit unterschiedlichen Apps steuern? Dann achte auf Multi-Admin.
Wie sieht ein guter Start im Alltag aus?
Fiktives Beispiel: Lena und Tarik ziehen in Linz in eine Mietwohnung. Aus der alten Wohnung bringen sie zwei Zigbee-Lampen samt Bridge mit. Neu wünschen sie sich einen Zwischenstecker für die Stehlampe und einen Fenstersensor fürs Bad. Statt gleich ein Aktionspaket zu kaufen, legen sie zuerst fest, dass der smarte Lautsprecher in der Küche ihre Steuerzentrale wird.
In dessen Produktangaben lesen sie, dass er als Thread-Border-Router dient. Sie wählen deshalb einen batteriebetriebenen Fenstersensor mit Matter über Thread und einen Zwischenstecker mit Matter über WLAN. Beim Hersteller ihrer Zigbee-Bridge sehen sie nach, ob die Bridge Matter unterstützt. Tarik nutzt eine andere App als Lena; über Multi-Admin fügt er den Zwischenstecker zusätzlich in seiner App hinzu.
Das Beispiel zeigt die Reihenfolge: zuerst die Zentrale, dann der Funkweg, dann das einzelne Gerät. Die Marke des Zwischensteckers spielt dabei die kleinste Rolle.
Wie richtest du Matter-Geräte sicher ein?
- Bereite dein Heimnetz vor. Viele Router bieten ein eigenes WLAN für smarte Geräte. Hat deiner nur ein Gäste-WLAN, nutze es laut BSI ausschliesslich für diese Geräte und gib die Zugangsdaten nicht weiter.
- Schütze dein WLAN mit einem Passwort von mindestens 20 Zeichen, wie es das BSI empfiehlt. Sichere das Konto deiner Smart-Home-App mit einem eigenen Passwort und, wo möglich, mit Zwei-Faktor-Anmeldung.
- Scanne den QR-Code des Geräts oder tippe den Zahlencode in der App deiner Steuerzentrale oder des Herstellers ein. Manche Geräte lassen sich auch per NFC antippen.
- Schalte automatische Updates ein, wo Gerät oder App sie anbieten.
- Prüfe am Router, ob UPnP aktiv ist, und schalte es aus. So können Geräte nicht unkontrolliert mit dem Internet kommunizieren. Die Firewall des Routers sollte eingeschaltet sein.
- Brauchst du Zugriff von unterwegs, nennt das BSI ein VPN: Es baut einen gesicherten Tunnel vom Smartphone in dein Heimnetz auf.
Wie du Router und WLAN Schritt für Schritt durchgehst, zeigt der Ratgeber WLAN zu Hause prüfen.
Tipp: Stelle dir bei jedem Gerät die Fragen des BSI: Welche Sensoren hat es, etwa Kamera oder Mikrofon? Welche Daten zeichnet es auf, wo werden sie gespeichert, und werden sie weitergegeben?
Was bringt Multi-Admin, und wie bleibt dein System erweiterbar?
Mit Multi-Admin verbindest du ein Matter-Gerät mit mehreren Plattformen gleichzeitig und legst fest, welche darauf zugreifen dürfen. So kann ein Haushalt verschiedene Apps oder Sprachassistenten nutzen, ohne Geräte doppelt zu kaufen.
Viele bestehende Smart-Home-Produkte können laut CSA per Software-Update Matter erhalten. Ob ein Gerät das Update bekommt, hängt aber von seiner Technik und vom Hersteller ab. Kaufe deshalb nach dem, was ein Gerät heute kann, nicht nach einem erhofften Update.
Matter und Zigbee arbeiten nicht direkt zusammen. Ältere Zigbee-Geräte bleiben trotzdem nutzbar, wenn eine Bridge sie in dein Matter-System einbindet. Bekommt ein Gerät gar keine Sicherheitsupdates mehr, rät das BSI, es auszutauschen.
Wie du Updates regelmässig erledigst, ohne auf gefälschte Hinweise hereinzufallen, zeigt der Ratgeber Updates ohne Pop-up-Falle erledigen.
Was ändert der Cyber Resilience Act bei Updates?
Schon vor dem Kauf solltest du laut BSI darauf achten, dass der Hersteller für die erwartete Nutzungsdauer Updates liefert, und nachfragen, wie die Updates ablaufen. Dabei hilft der Cyber Resilience Act (CRA), Verordnung (EU) 2024/2847. Er erfasst Produkte mit digitalen Elementen, vom Babyphone über die Smartwatch bis zum Haushaltsgerät. Laut EU-Kommission richtet er sich unter anderem gegen fehlende oder verspätete Sicherheitsupdates und verlangt, dass Geräte und Software so entwickelt, aktualisiert und gepflegt werden, dass sie die Nutzer schützen.
| Datum | Was gilt |
|---|---|
| 10. Dezember 2024 | Die Verordnung ist in Kraft getreten. |
| 11. September 2026 | Hersteller müssen aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwere Sicherheitsvorfälle melden: eine Frühwarnung innerhalb von 24 Stunden, eine Meldung innerhalb von 72 Stunden. |
| 11. Dezember 2027 | Die wichtigsten Pflichten gelten. Produkte tragen dann die CE-Kennzeichnung auch als Zeichen dafür, dass sie die Anforderungen des CRA erfüllen. |
| Land | CRA | Hinweis |
|---|---|---|
| Deutschland | Gilt als EU-Verordnung unmittelbar | Das BSI veröffentlicht Sicherheitstipps fürs Smart Home. |
| Österreich | Gilt als EU-Verordnung unmittelbar | Es gelten dieselben Daten wie in allen EU-Ländern. |
| Schweiz | Gilt nicht automatisch, da die Schweiz kein EU-Mitglied ist | Der Bundesrat hat am 20. August 2025 eine eigene Vorlage zur Cyberresilienz digitaler Produkte in Auftrag gegeben, die den CRA berücksichtigen soll. Frage beim Händler oder Hersteller nach, wie lange Sicherheitsupdates zugesagt sind. |
| Frankreich, Italien, Spanien | Gilt als EU-Verordnung unmittelbar | Nationale Marktüberwachungsbehörden setzen die Regeln durch. |
Der CRA verpflichtet vor allem die Hersteller, nicht dich. Für Geräte, die du vor dem 11. Dezember 2027 kaufst, bleibt deine eigene Frage nach der Update-Zusage deshalb besonders wichtig.
Häufige Fehler
- Geräte nach dem günstigsten Angebot kaufen, bevor feststeht, welche Steuerzentrale sie bedienen soll.
- Einen Thread-Sensor kaufen, ohne zu prüfen, ob zu Hause ein Thread-Border-Router vorhanden ist.
- Annehmen, Zigbee-Geräte liessen sich ohne Bridge direkt in ein Matter-System einbinden.
- Fernzugriff und UPnP eingeschaltet lassen, obwohl Zeitpläne auch lokal laufen würden.
- Auf ein angekündigtes Matter-Update vertrauen, statt nach der heutigen Ausstattung und der Update-Zusage zu kaufen.
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Häufige Fragen
Funktioniert Matter ohne Internet?
Grundsätzlich ja: Die Steuerung läuft laut CSA lokal in deinem Heimnetz. Lampen, Zwischenstecker und Sensoren können deshalb auch weiterlaufen, wenn das Internet ausfällt, solange deine Steuerzentrale arbeitet. Internet brauchst du für den Fernzugriff von unterwegs und für manche Zusatzfunktionen. Das BSI rät, das Smart Home nur mit dem Internet zu verbinden, wenn ein Fernzugriff wirklich nötig ist.
Brauche ich für Matter eine Bridge?
Für Matter-Geräte selbst nicht. Eine Bridge brauchst du, wenn du Geräte mit einem anderen Standard, etwa Zigbee, in dein Matter-System holen willst, denn Zigbee und Matter arbeiten nicht direkt zusammen. Für Matter über Thread brauchst du dagegen einen Thread-Border-Router. Das ist eine Funktion, die Hersteller in andere Geräte einbauen können, etwa in manche WLAN-Router. Prüfe die Produktangaben deiner Zentrale und deines Routers.
Kann ich ein Matter-Gerät mit mehreren Apps nutzen?
Ja, dafür gibt es Multi-Admin. Du verbindest ein Gerät mit mehreren Plattformen und bestimmst, welche darauf zugreifen dürfen. Das hilft etwa, wenn in einem Haushalt verschiedene Smartphones oder Sprachassistenten im Einsatz sind. Entferne eine Plattform wieder aus dem Gerät, wenn ihr sie nicht mehr nutzt.
Bekommen meine älteren Smart-Home-Geräte Matter per Update?
Manche ja. Laut CSA lassen sich viele bestehende Produkte per Software-Update auf Matter bringen. Ob dein Gerät dazugehört, hängt von seiner Technik und davon ab, ob der Hersteller das Update veröffentlicht. Sieh auf der Hilfeseite des Herstellers nach. Ist nichts angekündigt, plane mit dem heutigen Stand oder einer Bridge.
Quellen und weiterführende Informationen
Primärquellen von Behörden, Verbraucherschutz und Anbietern. Eine Quelle kann in einer anderen Sprache vorliegen; massgeblich sind die Hinweise für deinen Dienst und deinen Wohnort.
- Connectivity Standards Alliance: Matter FAQ (englisch)Quellenstand:
- BSI: Smarthome sicher einrichtenQuellenstand:
- Thread Group: Thread im Überblick (englisch)Quellenstand:
- Thread Group: Häufige Fragen zu Thread und Border Routern (englisch)Quellenstand:
- Europäische Kommission: CyberresilienzgesetzQuellenstand:
- Europäische Kommission: Meldepflichten nach dem CRA (englisch)Quellenstand:
- Schweizerischer Bundesrat: Der Bundesrat will die Cyberresilienz von digitalen Produkten stärken (20.08.2025)Quellenstand:


