Ein Beispiel aus dem Alltag
Fiktives Beispiel: Lena aus Graz fährt mit der Nachtfähre von Ancona nach Patras. Im Hafen surft sie im italienischen Netz wie zu Hause. Auf offener See erscheint ein fremder Netzname. Lena weiss: Mobilfunk über Satellit fällt nicht unter die EU-Regeln. Sie schaltet den Flugmodus ein und lädt die Busverbindungen erst in Patras.
Ihr Reisebegleiter Reto aus Luzern hat ein Schweizer Abo. Für ihn gilt die EU-Regel weder in Italien noch in Griechenland. Er hat vorher im Kundenkonto nachgesehen, was Daten im Ausland kosten und welche Kostenlimite für Roaming eingestellt ist.
In welchen Ländern gilt Roaming zu Inlandspreisen?
Die EU-Regel heisst «Roaming zu Inlandspreisen», englisch «Roam like at home». Du telefonierst, schreibst SMS und surfst im Ausland zu denselben Preisen wie zu Hause. Anrufe und SMS zu empfangen, kostet nichts extra.
Die Regel gilt in der EU und in den EWR-Staaten Island, Liechtenstein und Norwegen. Seit dem 1. Januar 2026 gehören die Ukraine und die Republik Moldau dazu; der Rat der EU hat das im Juli 2025 beschlossen. Dort hast du Anspruch auf dieselbe Netzqualität und Geschwindigkeit wie zu Hause.
Andere Länder deckt die Regel nicht ab, also auch nicht die Schweiz, das Vereinigte Königreich oder Andorra. Viele Anbieter beziehen solche Länder freiwillig ein; das regelt dein Tarif. Für Ziele ausserhalb der Zone kann eine Reise-eSIM eine Alternative sein.
| Wo du bist | Was gilt | Was du tun kannst |
|---|---|---|
| EU, Island, Liechtenstein, Norwegen | Inlandspreise, faire Nutzung | Willkommens-SMS lesen |
| Ukraine, Moldau | Inlandspreise seit 1. Januar 2026 | Preisinfo des Anbieters prüfen |
| Schweiz, Vereinigtes Königreich, übrige Länder | Keine EU-Regel, Preis laut Tarif | Tarif prüfen, Datenroaming bei Bedarf aus |
| Schiff oder Flugzeug mit Satellitennetz | Keine EU-Regel, keine Preisobergrenze | Flugmodus oder Roaming aus |
Wann darf dein Anbieter trotzdem mehr verlangen?
Roaming zu Inlandspreisen ist für Reisen gedacht. Dein Anbieter darf eine Regelung der angemessenen Nutzung anwenden, oft «Fair Use» genannt. Er kann dein Roaming über vier Monate beobachten. Warst du mehr im Ausland als zu Hause und war dein Verbrauch dort höher als im Inland, kann er dich kontaktieren. Du hast dann 14 Tage Zeit für eine Antwort.
Danach sind gedeckelte Aufschläge möglich: höchstens 1,9 Cent pro Minute und 0,3 Cent pro SMS, plus Mehrwertsteuer. Die Obergrenze für Daten sinkt schrittweise, von 1,30 Euro pro GB im Jahr 2025 auf 1 Euro pro GB ab 2027, plus Mehrwertsteuer.
Bei sehr günstigen Prepaid-Karten und Abos sowie bei unbegrenzten Tarifen darf der Anbieter das Datenvolumen im Ausland begrenzen; er muss dich vorher informieren. Wer in einem EU-Land wohnt und in einem anderen arbeitet, darf den Anbieter in einem der beiden Länder wählen.
Fähre, Flugzeug, Grenze: wo liegen die Kostenfallen?
An Bord zählt, womit sich dein Handy verbindet. Im landgestützten Netz, etwa im Hafen oder am Flughafen, gelten die EU-Regeln wie an Land. Nutzt du Mobilfunk über ein Satellitensystem, gelten sie nicht mehr, und es gibt keine Preisobergrenzen. Die EU rät, an Bord das Roaming auszuschalten oder den Flugmodus zu aktivieren.
Tipp: Lade Karten und Tickets noch im Hafen herunter. Ob das WLAN an Bord zu deiner Aufgabe passt, klärt der Ratgeber WLAN unterwegs.
Nahe der Schweizer Grenze, etwa am Bodensee, in Vorarlberg oder bei Basel, zählt ebenfalls das Netz: Bucht sich dein Handy in ein Schweizer Netz ein, gilt dein Tarif für die Schweiz. Ein fremder Netzname oder eine SMS mit Auslandspreisen ist ein Zeichen, dein Datenroaming zu prüfen.
Was gilt in der Schweiz und mit einem Schweizer Abo?
Die Schweiz ist weder in der EU noch im EWR. Die EU-Regel gilt dort nicht automatisch, in beide Richtungen.
- Mit einem deutschen oder österreichischen Abo zahlst du in der Schweiz, was dein Tarif vorsieht. Viele Anbieter schliessen die Schweiz freiwillig ein, verpflichtet sind sie nicht.
- Mit einem Schweizer Abo erhältst du bei jedem Auslandsaufenthalt ohne Verzögerung eine kostenlose SMS zu den maximal anfallenden Kosten, so die Schlichtungsstelle ombudscom.
- Seit 2021 gilt für Schweizer Abos laut BAKOM: Beim Vertragsabschluss wird eine Kostenlimite für Roaming festgelegt, die du jederzeit ändern kannst. Roaming in Flugzeugen und auf Schiffen ist standardmässig gesperrt. Eine Preisobergrenze für Roaming gibt es derzeit nicht.
- In Grenznähe kann sich ein Handy mit Schweizer SIM ungewollt in ein ausländisches Netz einbuchen. Um das zu vermeiden, rät das BAKOM, die Roaming-Funktion in den Einstellungen auszuschalten.
- Liechtenstein gehört zum EWR: Mit einem EU-Abo surfst du dort zu Inlandspreisen.
Tipp: Mit Schweizer Abo kostet im Ausland auch die Combox, beim Abhören und während dir jemand eine Nachricht hinterlässt. Laut ombudscom ist es am günstigsten, sie vor der Reise vorübergehend auszuschalten und mobile Daten von Hand zu deaktivieren.
Wie setzt du Schutzlimits beim Anbieter und auf dem Handy?
Ein Anbieter aus der EU muss eine automatische Kostenbremse anwenden: Roaming wird gestoppt, sobald du zusätzlich 50 Euro verbraucht hast oder eine andere, selbst gewählte Obergrenze erreichst. Beim Überqueren einer EU-Binnengrenze schickt er dir eine SMS mit deinen Preisen, Diensten, die zusätzlich kosten können, und den Notrufnummern des Landes.
- Prüfe im Kundenkonto oder in der App des Anbieters deine Kostengrenze und wähle bei Bedarf eine tiefere.
- Schalte Datenroaming aus, wenn du es nicht brauchst. Auf dem iPhone geht das in den Einstellungen für mobile Daten; für Android nennt die Hilfe deines Herstellers den Weg.
Weitere Vorbereitungen findest du im Ratgeber Vor einer Reise: digitale Zugänge und Ersatzwege vorbereiten.
Was tust du, wenn die Rechnung nicht stimmt?
Wende dich zuerst an deinen Anbieter und nutze dessen Beschwerdeverfahren. Bewahre SMS und Rechnung auf. Hilft das nicht, verweist die EU auf die nationale Regulierungsbehörde für Telekommunikation.
| Land | Stelle | Hinweis |
|---|---|---|
| DE | Bundesnetzagentur | Nationale Regulierungsbehörde laut BEREC-Liste |
| AT | RTR | Nationale Regulierungsbehörde laut BEREC-Liste |
| CH | ombudscom, Schlichtungsstelle Telekommunikation | Im Auftrag des BAKOM; Gebühr CHF 20; letzter Kontakt mit dem Anbieter höchstens 12 Monate her |
Bei hohen Beträgen hilft eine Verbraucherberatung, deinen Einzelfall einzuschätzen.
Häufige Fehler
- Annehmen, die Schweiz gehöre zur Roaming-Zone, weil sie mitten in Europa liegt.
- Auf der Fähre mobile Daten eingeschaltet lassen, obwohl das Handy ein Satellitennetz nutzt.
- Die Willkommens-SMS ungelesen löschen, obwohl sie Preise und Notrufnummern nennt.
- Die Kostenbremse per Klick aufheben, ohne die Preise danach zu kennen.
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Häufige Fragen
Gilt Roaming zu Inlandspreisen auch in der Schweiz?
Nein. Die EU-Regel gilt in der EU, in Island, Liechtenstein, Norwegen, der Ukraine und Moldau, nicht aber in der Schweiz. Mit einem deutschen oder österreichischen Abo zahlst du dort, was dein Tarif vorsieht. Mit einem Schweizer Abo gelten im Ausland die Bedingungen deines Vertrags und die Kostenlimite, die du festgelegt hast.
Kann ich in der Ukraine und in Moldau wie zu Hause telefonieren und surfen?
Ja. Seit dem 1. Januar 2026 gehören beide Länder zur Zone für Roaming zu Inlandspreisen. Anrufe, SMS und mobile Daten kosten dort mit einem EU-Abo so viel wie zu Hause. Du hast Anspruch auf dieselbe Netzqualität und Geschwindigkeit, und Notrufe sind kostenlos.
Kostet mobiles Internet auf der Fähre extra?
Das hängt vom Netz ab. Ist dein Handy im Hafen in ein landgestütztes Netz eingebucht, gelten die EU-Regeln. Nutzt du an Bord Mobilfunk über Satellit, gelten sie nicht, und es gibt keine Preisobergrenzen. Schalte auf See den Flugmodus ein und lade, was du brauchst, vor dem Ablegen herunter.
Quellen und weiterführende Informationen
Primärquellen von Behörden, Verbraucherschutz und Anbietern. Eine Quelle kann in einer anderen Sprache vorliegen; massgeblich sind die Hinweise für deinen Dienst und deinen Wohnort.
- Ihr Europa (EU): Roaming zu Inlandspreisen in EU, EWR, Moldau und UkraineQuellenstand:
- Rat der EU: Roaming-Vorteile ab 2026 auch in Moldau und der Ukraine (Englisch)Quellenstand:
- ombudscom, Schlichtungsstelle Telekommunikation (CH): AuslandsaufenthaltQuellenstand:
- BAKOM, Bundesamt für Kommunikation (CH): RoamingQuellenstand:
- ombudscom: Schlichtungsverfahren, Voraussetzungen und GebührQuellenstand:
- BEREC: Liste der nationalen Regulierungsbehörden (Englisch)Quellenstand:
- Apple Support: Einstellungen für mobile Daten auf dem iPhone anzeigen oder ändernQuellenstand:



