Privatsphäre in sozialen Netzwerken

Smart Glasses mit Kamera: was Träger und Gefilmte wissen sollten

Eine Brille mit Kamera sieht aus wie eine gewöhnliche Brille, kann aber fotografieren, filmen und mithören. Für die Menschen in deiner Nähe ist das kaum zu erkennen. Hier erfährst du, wann Aufnahmen erlaubt sind, wie du Rücksicht nimmst und was du verlangen kannst, wenn dich jemand filmt.

eu. infopoint · Mit KI-Unterstützung erstellt · Quellen geprüft am

Brille mit dickem Bügel ohne Markenzeichen auf einem Cafétisch neben einem Espresso, dahinter unscharfe Gäste: Kamerabrille im Alltag.
KI-generiertes Bild; kein realer Vorfall und keine echte Benutzeroberfläche.
Für wen
Alle, die eine Kamerabrille tragen oder davon gefilmt werden
Zeitbedarf
10 Minuten
Schwierigkeit
leicht
Du brauchst
Bei eigener Brille: die zugehörige App
Gilt für
DE, AT (EU-Recht), CH (eigenes Recht)

Das Wichtigste zuerst

  • Filme mit einer smarten Brille nur Menschen, die davon wissen, am besten nur Familie und Freunde, und poste nichts ohne ihre Einwilligung.
  • Die Aufnahmeleuchte allein reicht als Hinweis nicht.
  • Filmt dich jemand, sprich die Person an und verlange die Löschung; bei einer Veröffentlichung helfen Plattform und Datenschutzbehörde.

Wann darfst du mit einer smarten Brille filmen?

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gilt nicht für rein persönliche oder familiäre Tätigkeiten. Der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA), das gemeinsame Gremium der europäischen Datenschutzbehörden, hat dazu am 13. Oktober 2026 eine Erklärung zu Smart Glasses veröffentlicht. Beispiele für diese Haushaltsausnahme: ein Foto oder Video nur mit einem Familienmitglied oder einer befreundeten Person teilen oder die Brille privat zum Übersetzen nutzen.

Die Ausnahme ist eng auszulegen. Sie endet, sobald du Aufnahmen auf einem öffentlichen Social-Media-Konto teilst oder die Brille beruflich oder politisch einsetzt. Dann bist du selbst verantwortlich und musst die Gefilmten vor allem transparent informieren. Auch ohne DSGVO können Straf-, Zivil- oder Arbeitsrecht greifen.

Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (HmbBfDI) hat exemplarisch die Ray-Ban Meta Wayfarer der ersten Generation geprüft und am 10. September 2026 seinen Bericht vorgelegt. Ergebnis: Menschen ausserhalb des engen Freundes- und Familienkreises aufzunehmen, ist in der Regel unzulässig, ausser in seltenen Fällen eines berechtigten Interesses. Nach Ansicht der österreichischen Datenschutzbehörde kommt die Haushaltsausnahme bei Smart Glasses in der Öffentlichkeit regelmässig nicht zur Anwendung.

Warum ist eine Kamerabrille heikler als ein Handy?

Wer ein Handy hebt, zeigt, dass er fotografiert. Eine Brille filmt aus Augenhöhe, ohne sichtbare Geste. Der EDSA spricht von einer fast unsichtbaren Datenerhebung, weil sich die Geräte kaum von gewöhnlichen Brillen unterscheiden.

Beim Hamburger Prüfmodell zeigt eine kleine Leuchte am Rahmen an, dass die Kamera läuft. Laut Bericht ist sie in vielen Umgebungen schlecht zu erkennen, besonders draussen bei Sonne. Das blosse Aufleuchten genügt nach Ansicht der Behörde nicht, um Gefilmte zu informieren. Die Mikrofone erfassten Ton aus bis zu zwei Metern Entfernung. Fliessen Aufnahmen anderer Menschen ins KI-Training des Anbieters, bist du laut HmbBfDI gemeinsam mit ihm verantwortlich.

Wo bleibt die Kamera besser aus?

Kamerabrille im Alltag: typische Situationen (Stand: 18. Oktober 2026)
SituationWas giltWas du tust
Familienfest, alle wissen BescheidRein privat: DSGVO gilt laut EDSA nicht, solange du nur im Familien- und Freundeskreis teilstTrotzdem fragen, nichts öffentlich posten
Strasse, Café, Bus oder BahnUnbeteiligte aufzunehmen ist laut HmbBfDI in der Regel unzulässigKamera aus, nur Musik oder Übersetzung
Gespräch am NebentischDas nichtöffentlich gesprochene Wort unbefugt aufzunehmen, ist strafbar (§ 201 StGB)Keine Aufnahme fremder Gespräche
Wohnung, Umkleide, ToiletteBildaufnahmen in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum können strafbar sein (§ 201a StGB)Kamera aus oder Brille ab
Freibad, Strand, Arztpraxis, SchuleLaut EDSA besonders sensible OrteKeine Aufnahmen
Öffentlicher PostBildnisse grundsätzlich nur mit Einwilligung verbreiten (§ 22 KUG)Vorher fragen oder Personen unkenntlich machen

Die Tabelle zeigt Grundregeln für Deutschland; im Einzelfall kann die Bewertung anders ausfallen. Für Kameras am Haus gilt Kamera oder Video-Türklingel am Haus: was du filmen darfst.

Wie nimmst du als Trägerin oder Träger Rücksicht?

Der EDSA rät, anderen ausdrücklich zu sagen, wenn du Smart Glasses verwendest, und ihre Privatsphäre und Würde zu respektieren. Das heisst konkret:

  • Sag Bescheid, bevor du filmst. Die Leuchte ersetzt kein offenes Wort.
  • Schalte Kamera und Mikrofon aus, wenn du sie nicht brauchst.
  • Lass die Leuchte frei. Nach dem EDSA sollte eine Aufnahme bei verdeckter Anzeige gar nicht möglich sein.
  • Filme nicht dauerhaft «zur Sicherheit». Allgemeine Sicherheitsgründe rechtfertigen laut EDSA keine ständige Aufnahme anderer.
  • Lösche eine Aufnahme sofort, wenn jemand darum bittet.

Kinder hält der EDSA für besonders verletzlich. Wie du vor dem Teilen fragst, zeigt Gruppenfoto teilen: vor dem Wechsel der Öffentlichkeit fragen.

Was kannst du verlangen, wenn dich jemand filmt?

Der HmbBfDI rät, die Person direkt anzusprechen und zu verlangen, dass sie die Aufnahme stoppt und löscht, wenn du dir das zutraust. Im Freibad kannst du das Aufsichtspersonal holen. Bei Bedrängnis hilft die Polizei, in Deutschland über den Notruf 110.

Taucht ein Video öffentlich auf, gilt die Haushaltsausnahme nicht mehr. Dann kannst du nach der DSGVO etwa die Löschung verlangen, wenn deine Daten unrechtmässig verwendet werden, und der Verarbeitung widersprechen. Melde den Beitrag zusätzlich bei der Plattform. Reagiert niemand, beschwere dich bei der Datenschutzbehörde, in Österreich etwa wegen Verletzung deines Rechts auf Geheimhaltung. Laut EU-Portal Your Europe muss die Behörde innerhalb von drei Monaten antworten.

Aufnahmen aus Wohnung, Umkleide oder Toilette kannst du bei der Polizei anzeigen. Wie du Beweise sicherst und Inhalte entfernen lässt, beschreibt Deepfake von dir im Netz: Beweise sichern, melden, löschen lassen. Im Streitfall klärt eine Rechtsberatung deinen Einzelfall.

Was gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Länderbox Kamerabrille (Stand: 18. Oktober 2026)
LandRechtsrahmenAnlaufstelleBesonderheit
DeutschlandDSGVO; § 22 KUG; §§ 201, 201a StGBDatenschutzaufsicht, z. B. HmbBfDI; PolizeiAufnahmen Unbeteiligter in der Regel unzulässig
ÖsterreichDSGVO, DSG; Bildnisschutz (§ 78 UrhG); § 16 ABGBDatenschutzbehördeHaushaltsausnahme im öffentlichen Raum regelmässig nicht anwendbar
SchweizDatenschutzgesetz, kein EU-Recht; Art. 179bis bis 179quater StGBEDÖB (Information); Zivilgericht; PolizeiDritte informieren, Einverständnis sicherstellen

In der Schweiz gilt die DSGVO nicht. Laut Eidgenössischem Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragtem (EDÖB) können Smart Glasses Bilder und Töne ohne Wissen der Betroffenen aufnehmen. Nutzende müssen sicherstellen, dass Drittpersonen informiert und einverstanden sind, sonst drohen zivil- und strafrechtliche Folgen. Bist du auf einem Foto nur Beiwerk, genügt es, das Bild auf dein Verlangen zu löschen oder nicht zu veröffentlichen. Stehst du im Mittelpunkt, braucht es grundsätzlich deine Einwilligung.

Ein Beispiel: Lena erklärt ihre Brille im Café

Fiktives Beispiel: Lena aus Leipzig trägt eine Brille mit Kamera, vor allem für Musik und zum Übersetzen. Im Café liest sie damit eine englische Speisekarte. Ein Mann am Nebentisch fragt irritiert, ob sie ihn filmt.

Lena erklärt es, nimmt die Brille ab und schaltet die Kamera aus. Hätte sie gefilmt, hätte er die Löschung verlangen können. Am Abend filmt sie den Geburtstag ihrer Schwester. Sie sagt es vorher, teilt das Video nur im Familienchat und lässt die Kinder einer Freundin aus dem Bild.

Häufige Fehler

  • Die Leuchte für einen ausreichenden Hinweis halten, obwohl sie draussen oft kaum zu sehen ist.
  • Familienvideos später öffentlich posten, ohne erneut zu fragen.
  • In Umkleide, Freibad oder Arztpraxis die Kamera eingeschaltet lassen.
  • Gespräche mitschneiden, nur weil die Mikrofone ohnehin aktiv sind.

Deine Checkliste

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Häufige Fragen

Darf ich mit Smart Glasses in der Öffentlichkeit filmen?

Private Aufnahmen von Familie und Freunden fallen nicht unter die DSGVO. Unbeteiligte in der Öffentlichkeit aufzunehmen, ist laut Hamburger Datenschutzbeauftragtem dagegen in der Regel unzulässig, weil sich eine informierte Einwilligung praktisch nicht einholen lässt. Gerät jemand zufällig ins Bild, lösche die Aufnahme auf Wunsch und veröffentliche sie nicht.

Wie erkenne ich, dass mich jemand mit einer Brille filmt?

Oft nicht sicher. Das in Hamburg geprüfte Modell zeigt Aufnahmen mit einer kleinen Leuchte an, die vor allem draussen schlecht zu sehen ist. Der EDSA weist darauf hin, dass ein weisses Licht mit einer Spiegelung verwechselt werden kann. Frag im Zweifel freundlich nach. Wer nicht filmt, kann das leicht zeigen, etwa indem er die Brille kurz abnimmt.

Werden meine Aufnahmen für KI-Training genutzt?

Das hängt von Gerät und Einstellungen ab. Beim geprüften Modell wird bei der Einrichtung gefragt, ob Sprachaufnahmen für KI-Training gespeichert werden dürfen. Ein Widerruf wirkt laut Bericht nur für die Zukunft und löscht bereits gespeicherte Aufnahmen nicht. Prüfe deshalb gleich zu Beginn die Datenschutz-Einstellungen der App und lösche Verläufe, die du nicht brauchst.

Quellen und weiterführende Informationen

Primärquellen von Behörden, Verbraucherschutz und Anbietern. Eine Quelle kann in einer anderen Sprache vorliegen; massgeblich sind die Hinweise für deinen Dienst und deinen Wohnort.

  1. Europäischer Datenschutzausschuss (EDSA): Statement on smart glasses, 13. Oktober 2026 (englisch)Quellenstand:
  2. HmbBfDI: Abschlussbericht zur technischen und datenschutzrechtlichen Prüfung der Ray-Ban Meta AI Glasses (10. September 2026)Quellenstand:
  3. HmbBfDI: Privatsphäre gilt auch im FreibadQuellenstand:
  4. Österreichische Datenschutzbehörde: FAQ Foto und VideoQuellenstand:
  5. EDÖB: Wearables: Smartwatches, Fitnesstracker, SmartglassesQuellenstand:
  6. Your Europe (EU): Datenschutz und Privatsphäre im Online-UmfeldQuellenstand:
  7. EDÖB: Umgang mit FotosQuellenstand:
  8. Gesetze im Internet: § 22 Kunsturhebergesetz (Recht am eigenen Bild)Quellenstand:
  9. Gesetze im Internet: § 201 StGB, Verletzung der Vertraulichkeit des WortesQuellenstand:
  10. Gesetze im Internet: § 201a StGB, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch BildaufnahmenQuellenstand: